Donnerstag gegen 20 Uhr. 18 Grad. Ein perfekter Frühlingsabend, den viele Wiener noch für einen kleinen Spaziergang nutzen, um dem tristen Corona-Alltag zu entfliehen. Es ist der letzte Abend im Leben von Maria M. (35†). “Der Papa hat eine Waffe”, soll die 12-jährige Tochter noch versucht haben, einen Nachbarn zu alarmieren. Zu spät. Albert L., der “Bierwirt”, schoss seiner Ex mit seiner Pistole in den Kopf und ins Bein. Tötete sie vor den Augen der Kinder.

Ein Bewohner des Gemeindebaus, Dalibor D. (22) erinnert sich gegenüber dem eXXpress: “Kinder im Alter von circa 10, 11 Jahren liefen barfuß und schreiend aus der Haustüre in den Innenhof, um sich in Sicherheit zu bringen. Kurz darauf kam der Täter aus dem Haus und hatte die Waffe noch in der Hand.” Er klopfte anschließend gegen eine Fensterscheibe im Erdgeschoss des Hauses. Dort habe er sich, so der Augenzeuge weiter, eine Flasche Wodka aus dem Fenster reichen lassen und diese “auf ex” geleert.

Verhaftung des völlig alkoholisierten "Bierwirten"

Der “Bierwirt” sei bis zum Eintreffen des Sondereinsatzkommandos dann nur regungslos auf einer Bank gesessen und bei seiner Festnahme schließlich kollabiert – offenbar stark alkoholisiert, mutmaßlich sogar unter Drogen. Er wurde ins Spital eingeliefert. Der eXXpress hat ein exklusives Video seiner Festnahme.

Nachbarin spricht im eXXpress

“Erst gestern habe ich Maria noch gesehen”, schildert Nachbarin Sandra M. im Gespräch mit dem eXXpress sichtlich schockiert. “Sie hatte einen kleinen Sohn, der gerne mit meinem Hund gespielt hat. Sie war so eine liebe und nette Frau.” Auch andere Nachbarn kannten die beiden gut. “Sie waren oft zusammen im Hof, er hatte sich immer liebevoll um die Kinder gekümmert.” Niemand hätte erwartet, dass der “Bierwirt” zu so etwas fähig sei. Das Paar hatte sich kürzlich getrennt.

Tatort war der Winarskyhof, ein Gemeindebau in der Winarskygasse im 20. Wiener GemeindebezirkeXXpress

"Die Maurer hat mein Leben zerstört"

Eine Anrainerin des Bierlokals von Albert L. erzählt dem eXXpress am Freitag, der “Bierwirt” hätte die Tage vor der Tat außergewöhnlich viel getrunken. Sein Leben war eine einzige Abwärtsspirale. Immer wieder soll er über die letzen Wochen und Monate lamentiert haben, “die Maurer” hätte sein Leben zerstört. Gemeint hat er die jetzige grüne Klubchefin Siegrid Maurer und den Rechtsstreit, den er gegen sie führte.

Die Spurensicherung am Abend der TatFOTO: APA/GEORG HOCHMUTH

Was war zuvor passiert?

Mai 2018. Im Sekundentakt hagelt es online negative Bewertungen für einen Craftbeer-Shop im 8. Wiener Gemeindebezirk. Der Grund dafür: Sigi Maurer hatte eine vermeintliche Facebook-Nachricht des Bier-Shop Besitzers an sie veröffentlicht. Dort heißt es: “Hallo. Du bist heute bei mir beim Geschäft vorbei gegangen und hast auf meinen Sch**** geguckt als wolltest du ihn essen.“ Und weiter: „Dein fetter A*sch turnt mich ab aber da du prominent bist, f*** ich dich gern in deinen fetten A*sch, damit dir einer abgeht, du kleine dreckige B****“.

Da Maurer (damals übrigens ohne Mandat) diese obszönen Privatnachrichten via Facebook mit ihren Freunden und Followern teilte und dadurch dessen Identität über soziale Netzwerke geoutet hatte, klagte der “Bierwirt” sie wegen übler Nachrede. Er beteuerte, die Botschaften nicht abgesetzt zu haben – Gäste hätten Zugang zu seinem Computer im Lokal gehabt. Brisant: Im ersten Prozess setzte es einen Schuldspruch für Maurer, doch das Wiener Oberlandesgericht befand dieses Urteil im Frühjahr 2019 für null und nichtig. Erst im Februar 2021 endete der, durch Corona zuletzt immer wieder unterbrochene, Prozess. Der “Bierwirt” zog seine Klage gegen Maurer zurück. Die güne Klubchefin wurde freigesprochen.