Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform verzeichnet in den ersten sechs Monaten insgesamt rund 11.000 Unternehmensinsolvenzen. Das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Bedeutet: Die Insolvenzen in Deutschland klettern damit auf den höchsten Stand seit 2016.

„Bricht Betrieben das Genick“

„Die Unternehmensstabilität in Deutschland ist derzeit so wacklig wie seit vielen Jahren nicht mehr“, warnt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. „Die Unternehmen kämpfen im ersten Halbjahr 2024 weiter gegen die Auswirkungen der Rezession im Jahr 2023, anhaltende Krisen und die kraftlose konjunkturelle Entwicklung in diesem Jahr“, so Hantzsch weiter. „Das alles zusammengenommen bricht vielen Betrieben das Genick.“

Auch die Dynamik habe sich massiv verändert. Im Jahr 2023 gab es noch ein Plus von 17 Prozent. „Der Anstieg setzt sich nicht nur fort, er beschleunigt sich sogar“, sagt Hantzsch.

Pleitewelle trifft alle Wirtschaftsbereiche

Dramatisch: Die Insolvenzwelle trifft tatsächlich alle Wirtschaftsbereiche. Doch besonders die Dienstleistungsbranche verzeichnete ganze 6500 Pleiten – ein Plus von 35 Prozent.

Auch beim Handel stiegen die Insolvenzzahlen um 20 Prozent, beim Baugewerbe um 26 Prozent und beim verarbeitendem Gewerbe um 22 Prozent. Bei größeren Unternehmen liegt das Insolvenzgeschehen deutlich über dem Niveau der vergangenen Jahre.

Der Schaden: hoch. Creditreform schätzt die Forderungsausfälle auf rund 19 Milliarden Euro für Lieferanten, Kreditgeber und Sozialversicherungen. Das sind sechs Milliarden Euro mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Zudem hat sich die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze erhöht: um 6,4 Prozent auf 133.000.