Armut trotz Arbeit: Jeder 16. Beschäftigte kann vom Lohn nicht leben
Auf Österreichs Arbeitsmarkt zeichnet sich eine alarmierende Entwicklung ab: Es gibt eine wachsende Gruppe, die trotz Vollzeitarbeit kaum über die Runden kommt. Für sie wird der Monatslohn schnell zum Balanceakt zwischen Miete, Energiekosten und Lebensmitteln.
Eine aktuelle Erhebung verdeutlicht die Spreizung der Einkommenserfahrungen in Österreich: Zwar geben 61 % der Arbeitnehmer an, mit ihrem Gehalt über die Runden zu kommen, doch für 6 % reicht der monatliche Lohn schlicht nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten.
Besonders deutlich wird der Unterschied, wenn man Bildung, Branche oder Geschlecht betrachtet. Arbeitnehmer mit lediglich Pflichtschulabschluss zeigen sich wesentlich unzufriedener als jene mit höherer Ausbildung. Auch zwischen den Sektoren gibt es große Abweichungen: Während in der öffentlichen Verwaltung knapp 69 % der Beschäftigten ihr Einkommen als ausreichend ansehen und in der Industrie 63 % zufrieden sind, liegt der
Wert im Tourismus bei gerade einmal 45 %.
Armut trotz Arbeit – mit Folgen für Körper und Psyche
Finanzielle Unsicherheit bleibt nicht ohne Konsequenzen. Wer Monat für Monat mit knappen Mitteln haushalten muss, ist stärker von Stress betroffen, stuft die eigene Gesundheit schlechter ein und blickt mit Sorge in die Zukunft. Lediglich ein Drittel der Befragten glaubt, dass die Pension zum Leben reichen wird – Altersarmut ist damit für viele bereits vorprogrammiert.
Arbeiten darf nicht arm machen
Die Botschaft ist klar: Vollzeitbeschäftigung muss ein Leben in Würde ermöglichen. Wenn Erwerbstätige trotz regelmäßiger Arbeit in Armut abrutschen, ist die Politik gefordert. Nur mit fairen Löhnen, besserem Zugang zu Qualifizierung und einer wirksamen Inflationsbekämpfung lässt sich verhindern, dass „arm trotz Arbeit“ für zehntausende Menschen zur Dauerrealität wird.
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