Einst Aushängeschild für Qualität und Innovation, steckt Deutschlands Industrie in einer tiefen Vertrauenskrise. Eine aktuelle Allensbach-Studie zeigt: Die Mehrheit der Unternehmen rechnet mit Stillstand oder Rückschritt – und viele denken über eine Abwanderung ins Ausland nach.

Krisenstimmung in den Chefetagen

Die im Auftrag von der Unternehmensberatung FTI-Andersch erstellte Allensbach-Umfrage unter 169 Industrieunternehmen offenbart den tiefgreifenden Vertrauensverlust in die eigene Wettbewerbsfähigkeit. 51 % der Befragten rechnen mit einer Stagnation oder gar einem Rückgang ihrer Geschäfte im kommenden Jahr. Der Krisenmodus ist in nahezu allen Branchen zum Alltag geworden.

51 % der Maschinenbauer fürchten, ihre einstige Technologieführerschaft zu verlieren. Noch gravierender: 94 % der energieintensiven Betriebe gehen davon aus, dass eine Abwanderung aus Deutschland unvermeidlich ist.

Auch Investitionen werden zunehmend verschoben – 63 % der befragten Unternehmen nennen die politische und wirtschaftliche Unsicherheit als Hauptgrund.

Autozulieferer in der Sackgasse

Kaum ein Industriezweig steht derzeit so unter Druck wie die Zulieferbranche. Was einst das Herzstück des deutschen Exportwunders war, ist heute ein Sorgenkind. Die deutschen Autobauer verlieren rapide Marktanteile, während chinesische Hersteller wie BYD, SAIC und NIO mit Tempo und staatlicher Rückendeckung auf dem Weltmarkt dominieren.

83 % der Zulieferer geben an, beim Versuch, sich in chinesische Lieferketten zu integrieren, gescheitert zu sein – 60 % haben dieses Ziel gänzlich aufgegeben. Das Resultat: Lieferanten und mittelständische Hersteller orientieren sich um. Der Fokus verschiebt sich von klassischen Automotive-Aufträgen hin zu Rüstungs-, Medizin- und Luftfahrtprojekten.

Schwache Reformpolitik, sinkende Dynamik

Trotz kleinerer Anpassungen bei Bürgergeld, Rente und Verkehrspolitik fehlt der Industrie das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gelten als zu unattraktiv, die Energiekosten als zu hoch, die Bürokratie als zu lähmend. Auch das voraussichtlich nur minimale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr verdeutlicht die gedrückte Stimmung in der Industrie. Nach zwei Jahren der Rezession dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2025 um kaum mehr als 0,1 bis 0,3 Prozent zulegen.