Wien baut zu wenig – Wohnungsmarkt am Kipppunkt
Die Boomjahre sind vorbei, die Reserven aufgebraucht. Wiens Wohnbau erreicht einen Tiefpunkt, während Prognosen weiteres Bevölkerungswachstum erwarten. Der Mangel ist längst Realität – und könnte sich in den kommenden Jahren immer weiter verschärfen.
Wiens Wohnbau steckt in der Krise: Die Zahl der Genehmigungen und Fertigstellungen ist massiv eingebrochen, während die Nachfrage weiter steigt.IMAGO/viennaslide
Noch 2019 wurden in Wien mehr als 21.000 neue Wohneinheiten bewilligt. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 5.772 – ein Rückgang um fast drei Viertel. Auch die Zahl der Fertigstellungen bricht ein: Für heuer werden rund 8.630 Wohnungen erwartet, was lediglich 60 Prozent des Niveaus von 2023 entspricht. Für das kommende Jahr rechnen Marktbeobachter sogar nur noch mit knapp 6.900 neuen Einheiten.
Andreas Holler, Geschäftsführer von BUWOG, beschreibt die Lage im Gespräch mit dem ORF klar: „Der Produktionsüberhang aus den Boomjahren bis 2022 ist längst aufgebraucht, es gibt so gut wie keine Wohnraumreserven mehr und die Nachfrage ist ungebrochen stark.“
Besonders bedrückend: Von den heuer neu entstehenden Wohnungen werden laut Holler lediglich etwas mehr als 2.000 als Mietobjekte auf den Markt kommen.
Preise steigen – Lagen driften auseinander
Die Folgen des Angebotsrückgangs sind bereits spürbar. Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen, erwartet für heuer Mietsteigerungen von sieben bis acht Prozent. Eigentumswohnungen dürften im Schnitt um etwa drei Prozent teurer werden.
Markt reagiert – mit Kompromissen
Der Engpass zeigt sich nicht nur in höheren Preisen, sondern auch in kürzeren Vermarktungszeiten. Mietverträge werden häufig unmittelbar nach der ersten Besichtigung abgeschlossen, Eigentumswohnungen wechseln schon in frühen Bauphasen den Besitzer. Wohnungssuchende zeigen sich kompromissbereiter: Eine gute Anbindung an Straßenbahn oder U-Bahn genügt oft. Zudem wächst die Nachfrage nach kleineren, besser finanzierbaren Grundrissen.
Bis zu 100.000 Wohnungen fehlen langfristig
Bleiben die Rahmenbedingungen unverändert, droht sich die Lücke weiter zu vergrößern. Demografische Prognosen gehen davon aus, dass Wien bis 2040 auf rund 2,2 Millionen Einwohner anwachsen könnte – ein Plus von etwa neun Prozent. Der zusätzliche Bedarf wird auf 95.000 bis 100.000 Wohnungen geschätzt.
Ursachen: Kosten, Regulierung, Zurückhaltung
Die Branche macht mehrere Faktoren für den Einbruch verantwortlich: staatliche Eingriffe wie die Aussetzung von Indexierungen, restriktivere Finanzierungsbedingungen, anhaltend hohe Baukosten und eine spürbare Zurückhaltung institutioneller Investoren.
Wohnungsnot auch in Salzburg ein Problem
Nicht nur Wien kämpft mit Engpässen. Auch in Metropolen wie Salzburg ist leistbarer Wohnraum Mangelware. Wohnungsnot zeigt sich in unterschiedlichen Formen – von Obdachlosigkeit bis hin zu prekären Zwischenlösungen bei Freunden oder Bekannten.
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