Der gebürtige Wiener und flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek soll zehn Jahre als Agent für die russische Regierung gearbeitet haben. Westliche Geheimdienst- und Sicherheitsbehörden berichteten gegenüber dem “Wall Street Journal”, dass er seine Position bei Wirecard von 2010 bis 2020 nutzte, um verdeckte Operationen russischer Spionageagenturen auf der ganzen Welt illegal zu finanzieren und die russische Söldnergruppe Wagner zu unterstützen.

Dies beinhaltete die Unterstützung bei der Bezahlung von russischen Geheimdienstmitarbeitern und Informanten sowie die Einschleusung von Geld in Konfliktgebiete im Nahen Osten und Afrika, so die Quellen gegenüber der Zeitung. Der Österreicher soll außerdem Daten von Wirecard-Kunden in München gesammelt und nach Russland übermittelt haben.

Mehr als 60 Reisen nach Russland

In seiner Position als Chief Operating Officer von Wirecard überwachte Marsalek Transaktionen im Wert von bis zu 140 Milliarden Dollar jährlich im Auftrag von Tausenden von Unternehmen. Eine Zeit lang residierte er in einer Villa in München und reiste in Privatjets um die Welt, so die Zeitung. Doch Marsalek unternahm auch mehr als 60 Reisen nach Russland, wobei er sechs verschiedene österreichische Pässe verwendete, wie aus den von Bellingcat analysierten Einwanderungsdaten hervorgeht.

Fahndung nach Marsalek

Im Juni 2020 meldete Wirecard Insolvenz an. Marsalek wurde entlassen. Wenige Stunden später flog er von München nach Minsk, wie eine Untersuchung von “Bellingcat”, “Der Spiegel” und “The Insider” ergab. Anschließend reiste er nach Russland, wo er in einem Haus untergebracht war, das vom russischen Militärgeheimdienst überwacht wurde. Die deutschen Behörden fahnden seitdem nach ihm wegen des Verdachts auf Veruntreuung und Betrug. Er steht zudem auf der Liste der meistgesuchten Personen von Interpol.