Zu guter Letzt hat sich der österreichische Plagiatsprüfer Stefan Weber auch noch die Reden und Online-Texte von Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock vorgeknöpft. Dies geschah weniger aus Prin­zi­pi­en­rei­te­rei, sondern wohl aus Neugierde. Zuvor hatte Weber nämlich 100 Plagiate in Baerbocks Buch “Jetzt” aufgedeckt – und danach die Arbeit eingestellt. Was Weber offensichtlich umtreibt: Trifft er auch sonst in Baerbocks “Gesammelten Werken” jene Copypaste-Arbeitsweise, auf die er im Buch gestoßen ist.

"Baerbock gibt seit 13 Jahren Formulierungen anderer als die eigenen aus"

Webers Plagiatsdokumentation listet 38 Übernahmen fremder Formulierungen auf. Die Quellen reichen vom CDU-Politiker Klaus Töpfer, über Wikipedia und bis zur taz. Weber sieht “ein systematisches Problem mit der Verlässlichkeit der wiedergegebenen Fakten und der Glaubwürdigkeit der Rednerin. In Summe liegt die Vermutung nahe, dass Annalena Baerbock in Copy & Paste und Textklau bereits während ihres Studiums hineinsozialisiert wurde. Sie unterscheidet nicht zwischen eigenem und fremdem geistigen Eigentum und scheut offenbar seit mindestens 13 Jahren nicht davor zurück, Formulierungen anderer als eigene auszugeben.”

Im Folgenden ein paar Beispiele.

Neun Passagen aus einem einzigen Text in eigener Rede übernommen

Gar nicht erfreulich war aus EU-Sicht im Jahr 2009 das Verhältnis zu Tschechien: “Staatspräsident Václav Klaus lässt keine Gelegenheit aus, die EU zu brandmarken”, erklärte Annalena Baerbock im Oktober 2009 in der Böll-Stiftung. Einen Monat zuvor hat Dominik Hierlemann bei der Bertelsmann Stiftung das genauso gesagt – wortwörtlich. Aus dem Text des Bertelsmann-Mitarbeiters hat Baerbock in ihrer Rede neun Passagen mit der weitgehend identischen Wortwahl übernommen. So konstatierte sie etwa mit Blick auf die EU: “Es fehlt das politische Personal, das mit Entschiedenheit und Verve die weitere Integration wirklich anstrebt und diesen Mehrwert auch in die Gesellschaft kommuniziert” – ganz genauso, wie es Hierlemann zuvor in seinem Text getan hat.

Noch im gleichen Jahr erklärte Baerbock: “Auf der deutschen Seite versucht der Konzern Vattenfall weiterhin Dörfer und Lebensräume zu vernichten.” Das hat kurz zuvor Greenpeace genauso gesehen und genauso formuliert.

Beim Thema "Klimawandel" knüpfte Baerbock bei mehreren Autoren an

Wir springen ins Jahr 2014: Baerbock – mittlerweile Abgeordnete im Bundestag – erklärt eben dort: “Einen unkontrollierbaren Klimawandel können wir nur verhindern, wenn der größte Teil der weltweiten Kohlevorräte dort bleibt, wo er ist, nämlich unter der Erde.” Genau das waren die Worte, die zuvor die Journalistin Hanna Gersmann in einem Beitrag in der taz gewählt hatte. Zwei Jahre später erklärte Baerbock: “Deutschland kann nicht Energiewendeland sein und Kohleland bleiben” – ganz genauso, wie der Journalist und Autor Gerd Rosenkranz in “Deutsche Umwelthilfe”.

Auf die Wichtigkeit des Energiethemas ging die klimapolitische Sprecherin ihrer Fraktion mehrmals ein: “Zwei Jahrzehnte lang haben wir in Deutschland in erfreulicher Geschwindigkeit die Erneuerbaren Energien ausgebaut. Damit haben wir maßgeblich dazu beigetragen, dass Strom aus Sonne und Wind heute sehr günstig zu haben ist und weltweit boomt.” Das ist erfreulich und wurde fast vollständig wörtlich zuvor von Baerbocks Fraktionskollege Ralf Schmidt-Pleschka so im Interview bei Klimareporter gesagt.

In Baerbocks "8-Punkte-Plan" befinden sich ebenfalls wortwörtliche Übernahmen

Im November 2020 publizierte Annalena Baerbock ihren “8-Punkte-Plan”, in dem sie sich bereits der Corona-Krise widmet und den skandalösen Versäumnissen deutscher Bildungspolitik: “Mit dem unzureichenden Bildungsangebot in der Corona-Krise wird aber ein Kernversprechen unserer Republik – nämlich das von Chancengleichheit – noch stärker verletzt als ohnehin schon.” Das hat zwei Monate zuvor auch RND-Korrespondent Tobias Peter so gesehen und dabei auch dieselben Wörter gewählt. Und: “Kinder in einer solchen Situation von ihren Eltern und Geschwistern zu Geschwistern isolieren zu wollen, ist eine Form psychischer Gewalt.” Wenige Monate zuvor war dieser Satz in der taz zu finden, und zwar von SPD-Politiker Heinz Hilgers.