Bence Bauer: Bildung in Ungarn
Wie sollen wir junge Menschen ausbilden? Einige Überlegungen aus Ungarn
In einer Welt schnellen Wandels tut es not, eine Generation auszubilden, die fähig ist, ihren globalen Platz verständig und clever einzunehmen. Nicht nur sind Kenntnisse, sondern auch Anwendungsfertigkeiten, Wissen um Verfahren sowie auch ein persönliches Mentoring relevant. Es ist notwendig, sich immer seiner geistig-kulturellen Wurzeln zu vergewissern. In Ungarn ist die Bewahrung der abendländischen Kultur ein zentrales Fundament im Bildungs- und Kulturbereich. Wenn wir von europäischer Identität sprechen, dann meinen wir eine auf historisch tradierten nationalen Identitäten basierende gemeinsame jüdisch-christliche europäische Herkunftsgeschichte. Ohne diesen Bezugs- und Orientierungspunkt verlieren wir unseren geistig-moralisch-seelischen Kompass in einer Welt voller Unsicherheiten.
Bildung als soziales Aufstiegsversprechen
Wir können es uns in Europa nicht leisten, Begabungen nicht zu erkennen oder gar zu verlieren. Die Bildungsschere zwischen bildungsnahen und -fernen Haushalten geht aber bereits im Teenageralter deutlich auseinander; hier muss durch gezielte Förderung auch von talentierten, doch in bildungs- oder finanzschwachen Haushalten lebenden jungen Leuten entgegengesteuert werden. Daher sind ihnen durch kostenfreie Bildungsmöglichkeiten Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen. Entscheidend sollen Begabung und Leistung sein. Bildung ist und bleibt immer noch das beste und sicherste soziale Aufstiegsversprechen. Um jungen Menschen eine Zukunftsperspektive in ihrer Heimat zu bieten und gleichzeitig zur Entwicklung ihrer lokalen Gemeinschaften beizutragen, müssen Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten vor Ort geschaffen werden. Ziel ist es, regionale Disparitäten zu verringern, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und ländliche Räume lebenswerter zu gestalten.
Internationalität und Interdisziplinarität
Ziel muss es sein, junge Leute auszubilden, die nicht nur heimatverbunden, sondern gleichzeitig weltoffen und polyglott sind. Sie sollen über den nationalen Tellerrand hinausblicken und Erfahrungen, Wissen und Kontakte im Ausland sammeln, doch das dort Gesammelte in ihrem Heimatland urbar machen. Diesen Erfahrungs- und Wissensschatz nachhause zu bringen und so für das Individual- und Allgemeinwohl nutzbar zu machen, muss Ansinnen einer guten Bildungspolitik sein. So lässt sich Abwanderung qualifizierter Kräfte verhindern. Unser Begabtenförderungswerk setzt auf interdisziplinären Austausch, bei dem Fächer belegt werden, die in vielerlei Aspekten über das eigene Profil hinausgehen. Dies fördert ein Verständnis für komplexe gesellschaftliche Probleme, die vielfältige Perspektiven erfordern.
International und interdisziplinär, heimatverbunden und weltoffen: Dies sind die Ideale für eine gut ausgebildete, vielseitige junge Generation. In der Welt von anderen zu lernen und sie dann zuhause zum Wohle der eigenen Gemeinschaft anzuwenden, das ist das hehre Ziel einer zukunftsgewandten Bildungspolitik in Ungarn. So kann auch Europa gelingen, eine echte Vielfalt in Einheit – mit einer Generation an jungen Menschen, die am ehrlichen Austausch und einer gelebten Völkerverständigung interessiert sind. Die Ungarn sind bereit, tun Sie es uns nach!
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