Der erste Prozesstag am Landesgericht St. Pölten Anfang September hatte es in sich. Julian Hessenthaler, besser bekannt als der “Ibiza-Detektiv” soll nicht weniger als ein Kilo Kokain “weitergegeben” haben. Die Beweislast ist groß. Er bekannte sich  dennoch nicht schuldig: “Ich weiß, dass ich es nicht war.” Die Verteidigung sprach von konstruierten Vorwürfen. Mit Spannung erwartet wird am Mittwoch die Aussage von Prof. Gert Schmidt. Der Herausgeber der “eu-infothek.com” gilt als einer der bedeutendsten Aufdecker in der der Ibiza-Affäre. Bei einem Schuldspruch drohen Hessenthaler bis zu 15 Jahre Haft.

“Das wird nicht einfach, für den Herrn Hessenthaler: Die ganze Anklage beruht ja nicht nur auf Zeugenaussagen, sondern auch auf den Protokollen von einer Mobiltelefon-Abhörung”, meint einer der bedeutendsten Aufdecker in der Ibiza-Video-Causa, Prof. Gert Schmidt, Herausgeber der eu-infothek.comeXXpress

Dramatische Szenen vor Gericht

Bei der Befragung der Zeugen kam es dann zu dramatischen Szenen. Wegen einer schweren Panikattacke konnte eine Zeugin, die den Ibiza-Detektiv bezüglich der Drogendelikte belastet, ihre Aussage nicht mehr beenden. Sie hatte dem Gericht zuvor geschildert, wie brutal Julian Hessenthaler sie mit einer Pistole bedroht hatte. Der Richter ordnete daraufhin eine Unterbrechung an. “Ich habe einfach nur Angst, dass mir etwas passiert”, sagte sie unter Schluchzen. Sie soll auf ihren Wunsch hin in Abwesenheit des Angeklagten befragt werden. Die Einvernahme wurde schließlich nach kurzer Zeit aufgrund ihres psychischen Zustandes abgebrochen. Die Zeugin soll bei einem weiteren Verhandlungstermin mithilfe eines Dolmetschers befragt werden. Der Prozess wurde mit der Einvernahme eines männlichen Zeugen, der den Angeklagten belastet, fortgesetzt.

Anwälte: Verdacht nur konstruiert

Verteidiger Oliver Scherbaum vor einem Prozess gegen den mutmaßlichen Ibiza-DrahtzieherAPA

Für die Anwälte des Ibiza-Detektivs alles nur Show. Es gehe in diesem Fall einzig und allein um das Video. Sein Mandant habe sich nach der Veröffentlichung dieses nach Deutschland abgesetzt. Allein wegen seiner Beteiligung daran sei eine Auslieferung nicht möglich gewesen. Deshalb, so die Anwälte, habe ein anderer Verdacht konstruiert werden müssen. Kronzeuge sollte Slaven K. sein. Der habe erst nach dem Abschluss seines Strafverfahrens und seiner Verurteilung Hessenthaler belastet, obwohl er zuvor mehrmals befragt worden war.

Zentraler Punkt in der Argumentation der Verteidiger: Slaven K. sei möglicherweise von einem Lobbyisten eines Glücksspielkonzerns für seine belastenden Aussagen gegen Hessenthaler mit 40.000 Euro bezahlt worden. Der Detektiv sollte dadurch kriminalisiert und vernichtet werden.

Direkt zu seinem Verhältnis zu Slaven K. befragt, erzählte Hessenthaler, er habe zwar 2013 mit ihm in der gleichen Detektei gearbeitet, aber sonst hätte es keinen persönlichen Kontakt gegeben. Auch der frühere Kollege habe, wie er, teilweise mit dem Bundeskriminalamt zusammengearbeitet. Dann stellt der Richter die Frage: „Warum soll sich der frühere Kollege durch seine belastenden Aussagen gegen Hessenthaler selbst belasten? Das hat ihm doch eine Haftstrafe eingebracht.“ Darauf findet Julian Hessenthaler zunächst einmal keine Antwort.

Kronzeuge Slaven K. belastet Hessenthaler schwer

20 Seiten umfasst die Anklageschrift gegen Slaven K. – Details daraus belasten den "Ibiza-Detektiven", Julian Hessenthaler, schwer.eXXpress

Der 53-jährige Slaven K. gilt bei den Ermittlern des Bundeskriminalamts seit jeher als einer der wichtigsten Komplizen Hessenthalers.
Bei einer Hausdurchsuchung in Salzburg haben Kripo und Cobra bei ihm Waffen, Drogen und große Mengen Bargeld gefunden. K. wird Drogenhandel und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

So schreibt der Staatsanwalt 2020, dass K. den Haupttatverdäch­tigen im Video-Krimi kannte und von ihm „eine größere Menge Kokain bezog“. Die Bekanntschaft sei in der Zeit K.s bei einem Sicherheitsunternehmen entstanden, „die nicht immer legal war“ (Zitat).
Insgesamt soll K. von Hessenthaler bis zu 950 Gramm Kokain im Wert von 47.500 Euro für Konsum und Weiterverkauf erhalten haben.
Sogar am Tag der Veröffentlichung des Ibiza-Videos am 17. Mai 2019 soll es noch zu einer Drogenübergabe gekommen sein: K. hätte laut Staatsanwalt im Auto des Ibiza-Haupttatverdächtigen in der Nähe der A1-Autobahnabfahrt St. Valentin (OÖ) um 22 Uhr 200 Gramm Kokain übernommen.
Ebenfalls angeklagt ist der Besitz einer ČZ-Pistole, Kaliber 9  mm, sowie eines Rings mit einem versteckten Messer. Slaven K. gab mittlerweile zu, dass man ihm die Pistole vom Ibiza-Haupttatverdächtigen „zum 50. Geburtstag“ geschenkt hat.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.