Erst gestrichen, dann zurückgerudert: Blinde und Gehörlose fahren weiter gratis
Politische Entscheidungen halten manchmal nur bis zur nächsten Protestwelle. Geplant war, die kostenlose Öffi-Jahreskarte für blinde, sehbehinderte und gehörlose Menschen abzuschaffen. Betroffene hätten künftig eine „Jahreskarte-Spezial“ um 300 Euro kaufen müssen.
Doch der Plan stieß auf massiven Widerstand. Vor allem der Blindenverband hatte harsche Kritik an der Budgetmaßnahme geübt.
„Mobilität ist eine zentrale Voraussetzung für soziale Teilhabe. Wir halten an der Gratis-Jahreskarte für stark sehbehinderte, blinde und gehörlose Menschen fest“, erklärte Ludwig. Und weiter: „Wien ist und bleibt die Hauptstadt des sozialen Zusammenhalts und das zeigen wir auch mit dieser Entscheidung.“
Kritiker dürften sich an dieser Rhetorik stoßen: Denn genau dieser „soziale Zusammenhalt“ war zuvor aufs Spiel gesetzt worden. Rund 2.700 Menschen wären betroffen gewesen. Von 0 auf 300 Euro, zumal auch der Budgeteffekt fraglich bleibt.
Neues Modell "Jahreskarte-Spezial"
Ganz vom Tisch ist das ursprüngliche Vorhaben allerdings nicht: Ab 1. Jänner 2026 soll eine „Jahreskarte-Spezial“ eingeführt werden. Sie kann ab einem Behinderungsgrad von 70 Prozent beantragt werden und kostet 300 Euro. Laut Ludwig soll damit „mehr Menschen mit Behinderungen“ günstige Mobilität ermöglicht werden.
Kritik der Opposition
Auch in der Opposition sorgte die Kehrtwende für deutliche Reaktionen, da auch die Erhöhung der Ortstaxe bereits teilweise abgeschwächt wurde. FPÖ-Chef Dominik Nepp warf Ludwig mangelnde Verlässlichkeit vor: „In Wahrheit löscht er nur das Feuer, das er selbst gelegt hat.“ Von den Grünen kam ebenfalls scharfe Kritik. Parteichefin Judith Pühringer und Klubobmann Georg Prack erklärten: „Das ist Ziel- und Planlosigkeit in Reinkultur.“ Und ÖVP-Klubchef Harald Zierfuß sah ein wiederkehrendes Muster: „Zunächst wird versucht, das Maximale herauszuholen und alle zu schröpfen – und wenn der Druck zu groß wird, rudert man zurück.“
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