Die sozialistische Regierung unter Premierminister Pedro Sánchez bereitet eines der größten Regularisierungsprogramme Europas der letzten Jahre vor.

Per königlichem Dekret – Ende Januar 2026 beschlossen – sollen Ausländer legalisiert werden, die sich vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien aufgehalten haben, mindestens fünf Monate Aufenthalt nachweisen können (oder bis dahin internationalen Schutz beantragt haben) und nicht vorbestraft sind.

Wer die Kriterien erfüllt, erhält:

-Eine einjährige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis

-Gültig landesweit

-Ohne branchenspezifische Einschränkung

Anträge sollen im April starten und Ende Juni 2026 schließen.

Migrationsministerin Elma Saiz bezeichnet die Maßnahme als pragmatischen Schritt, um wirtschaftliche Beiträge von Migranten anzuerkennen, informelle Arbeit zu reduzieren und angesichts von Arbeitskräftemangel und demografischem Rückgang den Sozialstaat zu stärken.

Sánchez selbst stellt das Projekt als moralische und wirtschaftliche Notwendigkeit dar.

Interner Polizeibericht widerspricht deutlich

Doch ein durchgesickerter „Risikobericht“ des Nationalen Zentrums für Einwanderung und Grenzen (CNIF), Teil der spanischen Nationalpolizei und datiert auf den 29. Januar 2026, zeichnet ein deutlich anderes Bild.

Laut dem Dokument könnten:

-Zwischen 750.000 und 1 Million irregulär aufhältige Personen Anträge stellen

-Zusätzlich 250.000 bis 350.000 Asylbewerber die Kriterien erfüllen

Selbst im konservativsten Szenario würde die Gesamtzahl 1 Million überschreiten – im oberen Bereich sogar 1,35 Millionen erreichen.

Das wäre fast das Dreifache der Regierungsprognose.

„Sehr relevanter Anziehungsfaktor“

Besonders brisant: Die Polizei warnt vor einem massiven Sogeffekt.

Laut Bericht wird die Ankündigung Madrids „in den Herkunftsländern als ein sehr relevanter Anziehungsfaktor“ interpretiert.

Das CNIF analysierte dazu Inhalte aus sozialen Netzwerken sowie aus dem sogenannten Darknet – in zahlreichen Sprachen – mit konkreten Informationen darüber, wie eine Regularisierung in Spanien erreicht werden könne.

Die Ankündigung habe insbesondere in Lateinamerika „ernsthafte Wellen“ geschlagen.

Schengen als Beschleuniger

Die Polizei verweist zudem auf einen strukturellen Faktor: das Fehlen von Binnengrenzkontrollen im Schengen-Raum.

Durch die Freizügigkeit in 25 EU-Staaten rechnet das CNIF mit „sekundären Bewegungen aus anderen Ländern im Schengen-Raum“.

Konkret geht die Analyse davon aus, dass jährlich zusätzliche 200.000 bis 250.000 irreguläre Migranten aus anderen Schengen-Staaten nach Spanien kommen könnten – angelockt von der Aussicht auf eine schnelle Legalisierung.

Damit würde sich der Effekt weit über Spaniens Grenzen hinaus auswirken.

Politischer Sturm

Die Diskrepanz zwischen Regierungszahlen und Polizeischätzung hat heftige politische Reaktionen ausgelöst.

Wie Brussels signal berichtete, wirf die Volkspartei (Partido Popular)  Sánchez vor, das tatsächliche Ausmaß herunterzuspielen, um von anderen Kontroversen abzulenken. Gleichzeitig warnt sie vor überlasteten öffentlichen Dienstleistungen und einem gefährlichen „Pull-Effekt“.

Auch konservative Medien greifen die Bedenken der Polizei auf. Sie thematisieren mögliche Sicherheitslücken und eine Überlastung der Einwanderungsbehörden.

Wie viele leben bereits illegal in Spanien?

Schätzungen zufolge lebten Anfang 2025 rund 840.000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus in Spanien – überwiegend aus Lateinamerika.

Sollte die Polizeiprognose zutreffen, würde die Regularisierung nicht nur den bestehenden Bestand erfassen, sondern eine deutlich größere Gruppe einschließen – inklusive zusätzlicher Asylbewerber und möglicher Zuwanderer aus anderen EU-Staaten.