Öffentliche Grausamkeit als System: Taliban verschärfen Körperstrafen drastisch
Peitschenhiebe vor Publikum, Exekutionen im Stadion, Steinigung als Urteilsspruch: Afghanistan erlebt eine Rückkehr zu Strafen, die nicht nur töten oder verletzen, sondern auch öffentlich demütigen sollen. Und sie treffen nicht einzelne Regionen – sondern das ganze Land.
Die Bilanz für 2025 ist drastisch: 1.030 Menschen wurden öffentlich ausgepeitscht, darunter mindestens 150 Frauen. Bestraft wurde für Delikte wie Diebstahl, „Weglaufen von zu Hause“ und Handlungen, die als Verstoß gegen islamisches Recht gewertet werden.
Wie die Daily Mail berichtete, fanden die Strafen häufig vor Menschenmengen statt. Alle Provinzen meldeten Fälle, Kabul verzeichnete dabei die höchste Zahl.
Öffentliche Strafen – und Frauen mitten drin
Seit August 2021 summiert sich die Zahl der öffentlich ausgepeitschten Menschen auf mindestens 1.848, darunter rund 250 Frauen. Was als „Einzelfall“ verkauft werden könnte, ist längst ein System: Körperstrafen gehören zum Alltag – sichtbar, laut und einschüchternd.
Menschenrechtsgruppen kritisieren vor allem das Zusammenspiel aus öffentlicher Zurschaustellung und fehlenden rechtsstaatlichen Garantien. In diesem Zusammenhang fällt der Satz: „Öffentliche Auspeitschungen ohne faire Prozesse und in Abwesenheit einer Verfassung sind eine klare Verletzung der Menschenrechte.“
Drei öffentliche Hinrichtungen – ein Fall erschüttert die Welt
2025 gab es mindestens drei öffentliche Hinrichtungen in den Provinzen Khost, Badghis und Paktia. Der jüngste Fall in Khost sorgte international für Entsetzen.
Am 2. Dezember 2025 wurde ein Mann, der nur als Mangal identifiziert wurde, wegen Mordes in einem Sportstadion erschossen – vor einer Menge von rund 80.000 Menschen. Die Vollstreckung soll durch einen 13-jährigen Angehörigen der Opferfamilie erfolgt sein.
Steinigung und „Mauer“-Urteile: Die härteste Statistik
Die Summen über vier Jahre wirken wie ein Katalog der Härte: mindestens 178 Todesurteile wurden nach Qisas verhängt. Dazu kommen 37 Urteile durch Steinigung und vier Urteile, bei denen Verurteilte durch das Einstürzen von Mauern getötet werden sollen.
Bislang wurden mindestens 12 Todesurteile vollstreckt. Menschenrechtsgruppen sehen darin gravierende Verstöße gegen internationale Standards.
„Afghanistan ist ein Gefängnis geworden“
In der Bevölkerung wächst die Angst. Ein Bewohner aus Kabul sagt: „Die Taliban haben Afghanistan in ein Gefängnis verwandelt.“ Und weiter: „Männer und Frauen werden vor Menschenmengen ausgepeitscht und ihrer Würde beraubt.“
Es sind Sätze, die beschreiben, was öffentliche Strafen bezwecken: nicht nur Bestrafung – sondern Abschreckung durch Demütigung.
Internationaler Druck – und die Taliban bleiben stur
Internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, Human Rights Watch und Amnesty International verurteilen die Praktiken seit Jahren und fordern ein Ende. In diesem Jahr folgte ein weiterer Schritt: Der Internationale Strafgerichtshof erließ Haftbefehle gegen den Taliban-Anführer und den Leiter des Obersten Gerichtshofs – unter anderem wegen Vorwürfen wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit und geschlechtsbezogener Verfolgung.
Die Taliban weisen Kritik zurück und beharren darauf, Strafen im Sinne dessen zu verhängen, was sie als islamisches Recht verstehen.
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