Verschwundenes Uran aus Niger: Könnten Russland oder der Iran dahinterstecken?
In einer nigrischen Mine ist Uran verschwunden – Frankreich ermittelt wegen organisierten Diebstahls. Die Militärjunta in Niger weist alle Vorwürfe zurück, während die geopolitischen Spekulationen zunehmen.
Die Uranmine Somayer in Niger steht im Zentrum eines internationalen Ermittlungs- und Politstreits.GETTYIMAGES/mtcurado
Was als wirtschaftlicher Streit begann, entwickelt sich zu einem internationalen Politikum. Nachdem eine Uranlieferung aus Niger verschwunden ist, geraten die dortige Militärregierung sowie Russland und der Iran ins Blickfeld westlicher Ermittler.
Uranlieferung verschwunden – Paris ermittelt
Mitte Dezember ist eine Uranlieferung aus der Somayer-Mine im Norden Nigers verschwunden. Am 19. Dezember leitete die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen organisierten Diebstahls ein. Der Verdacht: Die Tat könnte den Interessen einer ausländischen Macht gedient haben.
Die Mine wurde zuvor von der französischen Gruppe Orano (ehemals Areva, im Text als Urano bezeichnet) betrieben. Bis vor kurzem hielt das Unternehmen 63,4 Prozent der Anteile, der nigrische Staat 36,6 Prozent. Nach der Verstaatlichungsankündigung im Juni erklärte die Regierung in Niamey jedoch, das Uran selbst auf den internationalen Markt bringen zu wollen.
Ende November meldete Orano offiziell, dass eine Uranlieferung vom Standort Somayer verschwunden sei.
Niger weist Vorwürfe scharf zurück
Die seit dem Putsch im Juli 2023 an der Macht befindliche Militärjunta in Niger reagierte am 27. Dezember mit deutlicher Kritik auf die Ermittlungen aus Paris.
In staatlichen Medien erklärte Nigers Bergbauminister und Oberst Osman Abarchi: „Die Republik Niger lehnt jede Rhetorik ab, die die Ausübung ihrer Souveränität über eine nationale Ressource als Diebstahl betrachtet, und zwar im schärfsten Ton.“ Er sprach von einer „gefährlichen, verantwortungslosen und beschämenden Rhetorik“.
Auch Justizminister Alio Dawada konterte und verwies auf angebliche 58 Milliarden CFP an unbezahlten Schulden Oranos: „Wer hat (…) wen bestohlen?”
Russland und Iran im Fokus
Seit ihrer Machtübernahme signalisiert die nigrische Militärregierung ihre Bereitschaft, neue internationale Partner zu suchen, darunter Russland und den Iran. Russland hat bereits im Juli sein Interesse an Uran aus der Region bekundet. Jewgeni Prigoschin, der Chef der Söldnergruppe Wagner, bezeichnete den Putsch in Niger als „gute Nachricht” und bot Unterstützung an.
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch Berichte über ein mögliches geheimes Uran-Abkommen zwischen Niger und dem Iran im März 2024: Damals traf sich Ali al-Amin Zain, Premierminister der Militärregierung, mit dem iranischen Präsidenten Ibrahim Raisi. Die USA vermuteten, dass dabei Details eines möglichen Deals besprochen wurden.
Zeitgleich lobte Raisi laut iranischer Präsidialplattform gegenüber Nigers Außenminister Bakari Yao Sangaré die „Unabhängigkeit und das Ansehen“ des Landes gegenüber der „europäischen monarchistischen Politik“ und signalisierte Interesse an engerer wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Milliardenwert und internationale Folgen
Im Dezember 2024 akzeptierte Orano den Verlust der operativen Kontrolle über seine drei nigrischen Standorte: die Somayer-Mine, die Cominac-Mine und das Imouraren-Reservat. Das Unternehmen, dessen Kapital zu über 90 Prozent dem französischen Staat gehört, leitete mehrere internationale Schiedsverfahren ein.
Ein Gericht entschied Ende September zugunsten Oranos und untersagte Niger, das von Somayer produzierte Uran zu verkaufen. Der Standort liefert rund 1.300 Tonnen Uran-Konzentrat mit einem Marktwert von etwa 250 Millionen Euro. Kurz nach diesem Urteil verschwand die Lieferung.
Niger liefert laut der Oratum Supply Agency (ESA) rund 4,7 Prozent der weltweiten Natururanproduktion. Bis vor kurzem stammten laut Le Monde sogar 20 Prozent des in Frankreich genutzten Urans aus dem Land. Seit dem Staatsstreich orientiert sich Europa zunehmend an Australien, China und Kasachstan, um seinen Uranbedarf zu decken.
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