Er zerrte sie einst vor Gericht, weil sie obszöne Nachrichten veröffentlicht hatte, jetzt muss er sich Sigi Maurers “Bierwirt” bald selbst vor einem verantworten: Kaltblütig erschoss der 42-Jährige am Donnerstagabend seine 35-jährige Ex-Freundin mit serbischen Wurzeln in deren Wohnung in Wien-Brigittenau. Am Freitag meldete sich Maurer schließlich selbst zur Tat zu Wort: “Dass es sich beim Täter offenbar um den Bierwirt handelt, schockiert mich persönlich, ist in der Sache aber unerheblich”, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Und: “Gestern wurde die neunte Frau in diesem Jahr von ihrem Ex-Partner ermordet. Jede getötete Frau ist eine zu viel. Jede verletzte Frau ist eine zu viel.”

Medial bekannt wurde der “Bierwirt”, als er Maurer klagte, nachdem sie ihn beschuldigt hatte, ihr Ende Mai 2018 via Facebook obszöne Privatnachrichten geschickt zu haben. Maurer veröffentlichte über ihren Twitter-Account einen Screenshot der Botschaften mit eindeutig sexuell anzüglichen Inhalten. “Hallo, du bist heute bei mir beim Geschäft vorbeigegangen und hast meinen Schwanz angeguckt als wolltest du ihn essen.” Nach zwölf Minuten folgte eine weitere Nachricht, in der die Politikerin als “dreckige kleine Bitch” bezeichnet wurde. Maurer beschuldigte den 42-Jährigen, die Nachrichten an sie verschickt zu haben, was dieser stets bestritt. Zuletzt hatte der Betreiber des Biershops behauptet, die Nachrichten habe ein gewisser “Willi” am PC in seinem Lokal verfasst, er sei dafür nicht verantwortlich. Nach mehreren Verhandlungen zog der Mann die Klage jedoch zurück.

Der Bierwirt ist bereits einschlägig bekannt

Zuletzt hätte sich der 42-Jährige wegen Nötigung vor dem Straflandesgericht verantworten müssen. Allerdings wurde der Prozess Anfang April vertagt, da sich der Wahlverteidiger des Wirts nicht vorbereiten konnte. Dabei ging es um einen Streit zwischen dem 42-Jährigen und einem Passanten am 24. September 2020. Der 63-Jährige soll vom angeblich angetrunkenen Gastronomen zum Weggehen aufgefordert worden sein. Als er der Anweisung nicht nachkam, soll der Wirt ihn mit einem als Taschenlampe getarnten Elektroschocker – einer verbotenen Waffe – bedroht haben. (APA/red)