Schon in den frühen Morgenstunden machten sich Tausende Demonstranten aus allen Teilen Mallorcas auf den Weg nach Sa Ràpita. Busse, Autos, Motorräder und Züge brachten die Teilnehmer an die Südküste der Insel.

Vom Hafen von Sa Ràpita bis nach Ses Covetes entstand schließlich eine zwei bis drei Kilometer lange Menschenkette entlang des Strandes. Unter dem Motto „Es Trenc no es toca“ („Es Trenc wird nicht angerührt“) forderten die Demonstranten den Erhalt des einzigartigen Naturparadieses.

Zwischen den Protestierenden genossen zahlreiche Touristen und Einheimische ihren Badetag – viele bemerkten die Demonstration zunächst kaum.

Sorge vor Lockerung des Naturschutzes

Auslöser der Proteste ist ein neues Gesetzespaket der Regionalregierung, das Änderungen an mehr als 50 bestehenden Gesetzen vorsieht. Besonders umstritten ist eine Bestimmung, die nach Ansicht von Umweltverbänden den Schutzstatus des Naturparks Es Trenc–Salobrar de Campos abschwächen könnte.

Künftig soll nicht mehr das Regionalparlament, sondern die Regierung selbst per Dekret Änderungen an den Schutzbestimmungen vornehmen können. Kritiker sehen darin die Gefahr, dass touristische Infrastruktur künftig leichter genehmigt werden könnte.

In einem Manifest warnten die Organisatoren vor einer schleichenden Entwicklung. Sie befürchten, dass an bislang unberührten Küstenabschnitten künftig Parkplätze, Strandbars und weitere touristische Einrichtungen entstehen könnten.

Der Schriftsteller Sebastià Alzamora sprach bei der Kundgebung sogar von der Gefahr, im Süden Mallorcas könne langfristig „ein neues Magaluf“ entstehen – eine Anspielung auf den bekannten Partyort der Insel.

Tumulte um Bürgermeisterin

Für den emotionalsten Moment sorgte der Auftritt der Bürgermeisterin von Campos, Francisca Porquer. Obwohl sie sich selbst dem Slogan „Es Trenc no es toca“ anschloss, reagierten viele Demonstranten mit lautstarken Buhrufen und heftiger Kritik.

Die Regionalregierung weist sämtliche Vorwürfe entschieden zurück. Sie betont, dass Es Trenc auch künftig vollständig geschützt bleibe. Geändert werde lediglich das Verwaltungsverfahren, um Entscheidungen an jene anderer Naturparks auf den Balearen anzugleichen.

Regierungssprecher Antoni Costa sprach sogar von „Lügen“, wenn behauptet werde, der Naturschutz werde ausgehöhlt.

Für viele Mallorquiner ist Es Trenc längst mehr als nur ein Strand. Bereits seit Jahrzehnten mobilisiert das Naturgebiet regelmäßig Tausende Menschen gegen Bauprojekte und touristische Eingriffe.

Die aktuelle Demonstration reiht sich in eine Serie von Protesten gegen den zunehmenden Massentourismus ein. Unter dem Motto „Menys turisme, més vida“ („Weniger Tourismus, mehr Leben“) machen Bürgerinitiativen seit Jahren auf steigende Mieten, den Verlust von Lebensqualität und die Belastungen aufmerksam, die jährlich Millionen Besucher auf die Insel bringen.

Mit der kilometerlangen Menschenkette haben die Demonstranten nun erneut deutlich gemacht, dass der Schutz von Mallorcas Natur für viele Einwohner eine rote Linie ist.