Nun blicken viele Betriebe mit großer Unsicherheit auf die Entscheidungen des VW-Konzerns. Auf der jüngsten Aufsichtsratssitzung präsentierte Konzernchef Oliver Blume einen umfassenden Zukunftsplan. Ziel ist es, Volkswagen effizienter und wettbewerbsfähiger aufzustellen.

Geplant ist unter anderem:

  • eine Reduktion der Modellpalette um bis zu 50 Prozent
  • bis zu 75 Prozent weniger Ausstattungsvarianten
  • eine Senkung der Fahrzeugproduktion von zuletzt rund 10 Millionen auf künftig etwa 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass bis zu 100.000 Arbeitsplätze im Konzern auf der Kippe stehen könnten. Zudem wird über die Schließung von vier deutschen Werken diskutiert, berichtet die Krone.

Österreichische Zulieferer bangen um Aufträge

Für Österreichs rund 900 Automobilzulieferer sind das alarmierende Signale.

Deutschland ist ihr wichtigster Absatzmarkt, zahlreiche heimische Unternehmen liefern Bauteile direkt an Volkswagen sowie an Marken wie Audi, Seat oder Škoda.

Wie stark die Sparmaßnahmen Österreich tatsächlich treffen werden, ist derzeit allerdings noch offen.

„Für uns ist weniger entscheidend, welche Modelle gebaut werden, sondern wie viele Fahrzeuge am Ende tatsächlich produziert werden“, erklärt Clemens Zinkl von der ARGE Automotive-Zulieferindustrie.

Sollte Volkswagen seine Produktion tatsächlich dauerhaft auf rund neun Millionen Fahrzeuge reduzieren, hätte das zwangsläufig Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette.

Schon in den vergangenen Jahren musste die österreichische Zulieferindustrie erhebliche Einschnitte verkraften.

Beschäftigte die Branche einst rund 82.000 Mitarbeiter, gingen zuletzt bereits mehr als 5.000 Arbeitsplätze durch Stellenabbau oder Unternehmensinsolvenzen verloren.

Ob weitere Kürzungen bevorstehen, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen

Entscheidend ist der Produktionsstandort

Mindestens genauso wichtig wie die Produktionsmenge ist für die heimischen Betriebe die Frage, wo Volkswagen künftig seine Fahrzeuge bauen wird.

Sollten Werke aus Deutschland nach Asien verlagert werden, könnten österreichische Zulieferer erhebliche Marktanteile verlieren.

Bleiben die Produktionsstandorte hingegen in Europa, wären die Auswirkungen deutlich geringer. Nach Ansicht von Branchenexperte Clemens Zinkl haben die österreichischen Zulieferer ihre Einsparpotenziale bereits weitgehend ausgeschöpft.

Zwar konnte der Branchenumsatz zuletzt bei rund 28 Milliarden Euro stabil gehalten werden, doch die Gewinnmargen seien massiv unter Druck geraten.

„Alles wird teurer und es bleibt nichts mehr übrig“, bringt Zinkl die Situation auf den Punkt.

Mehrere Insolvenzen hätten bereits gezeigt, wie angespannt die wirtschaftliche Lage inzwischen ist.

Ruf nach einer europäischen Strategie

Neben den Herausforderungen bei Volkswagen sieht die Branche vor allem fehlende Planungssicherheit als großes Problem.

Aus Sicht der Zulieferer braucht Europa endlich eine klare Strategie für die Zukunft der Automobilindustrie.

„Planbarkeit wäre enorm wichtig“, betont Zinkl.

Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sieht Handlungsbedarf auf europäischer Ebene.

Er fordert Nachbesserungen am europäischen Automobilpakt und spricht sich für mehr Technologieoffenheit aus. Gleichzeitig verlangt er einen stärkeren Schutz der europäischen Industrie vor Dumpingpreisen, staatlichen Subventionen und Wettbewerbsverzerrungen aus China.

Für Österreichs Autozulieferer bleibt die Lage damit vorerst angespannt. Welche Folgen der Sparkurs von Volkswagen tatsächlich haben wird, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.