Während Europas Unternehmen mit hohen Energiepreisen, schwacher Konjunktur und wachsendem Konkurrenzdruck kämpfen, setzt die Politik weiter auf Verteuerung. In Österreich bleibt die nationale CO₂-Bepreisung auf Schiene, auf EU-Ebene werden Emissionszertifikate weiter verknappt, und im Luftverkehr laufen die Gratiszuteilungen aus. Die Richtung ist klar: CO₂ soll politisch teurer werden – und damit steigt auch der Druck auf Tanken, Heizen und Fliegen.
Österreich verteuert extra
Für Österreich ist die Lage besonders heikel. Denn hier kommt zur allgemeinen europäischen Belastung noch eine hausgemachte Zusatzschraube hinzu: die CO₂-Bepreisung nach dem Nationalen Emissionszertifikatehandelsgesetz 2022 und die Flugabgabe auf Abflüge von österreichischen Flughäfen. Hinter dem sperrigen Gesetzesnamen steckt nichts anderes als ein staatlich verordneter Aufschlag auf den Ausstoß von Kohlendioxid – und damit indirekt auf Tanken, Heizen und andere fossile Energieformen.
Diese nationalen CO₂-Zertifikate kosten laut Finanzministerium 2025 und 2026 jeweils 55 Euro je Tonne Kohlendioxid. Die Übergangsphase bis zur Einbindung in das spätere europäische System läuft bis Ende 2027. Zusätzlich bleibt die Flugabgabe bestehen: 12 Euro pro Passagier, bei sehr kurzen Flügen sogar 30 Euro.
Im Klartext heißt das: Wer in Österreich tankt oder abhebt, zahlt nicht nur für die allgemeine Energie- und Treibstoffkrise, sondern auch für politische Verteuerung. Für einen ohnehin teuren, exportabhängigen Standort ist das kein Detail, sondern ein weiterer Nachteil im Wettbewerb.
Brüssel hält am CO₂-Kurs fest
Auf europäischer Ebene ist die Stoßrichtung noch grundsätzlicher. Die EU-Kommission erklärt offen, dass die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten für Fluggesellschaften 2024 um 25 Prozent und 2025 um 50 Prozent reduziert wird, bevor der Luftverkehr ab 2026 vollständig in die Versteigerung dieser Zertifikate übergeht.
Gleichzeitig wird die Obergrenze für den europäischen Emissionshandel weiter verschärft; für 2024 und 2026 sind zusätzliche Kürzungen der insgesamt verfügbaren Zertifikate vorgesehen. Anders gesagt: Brüssel macht Kohlendioxid-Zertifikate knapper und damit tendenziell teurer – und genau das ist politisch gewollt.
Auch die Haushalte werden zahlen müssen
Dazu kommt das nächste große Projekt: der neue europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr. Dieses neue Kohlendioxid-System wurde zwar bereits politisch entschärft und um ein Jahr verschoben, soll nun aber ab 2028 wirksam werden.
Selbst Reuters schrieb erst vor wenigen Tagen, Modellrechnungen gingen davon aus, dass dieser neue Emissionshandel die Lebenshaltungskosten eines durchschnittlichen Haushalts in der EU nach voller Einführung um rund 300 bis 500 Euro pro Jahr erhöhen könnte – vor allem über höhere Heiz- und Treibstoffkosten. Wer also glaubt, die große Preisdiskussion beginne erst irgendwann später, könnte sich täuschen: Sie hat längst begonnen.
Der Widerstand wächst längst
Widerstand gegen diesen Kurs gibt es bereits – und zwar nicht nur von den üblichen Verdächtigen. In Österreich fordert Ryanair offen die Abschaffung der 12-Euro-Flugabgabe und warnt davor, dass Fluggesellschaften Verbindungen und Passagiere zu billigeren Konkurrenzstandorten verlagern.
Auch auf europäischer Ebene wächst der Druck. Im Februar unterstützten die Mitgliedstaaten stärkere Preisbremsen für den neuen europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, weil mehrere Regierungen höhere Treibstoff- und Heizkosten fürchten. Zudem fordern Staaten wie die Slowakei und Tschechien weitere Verzögerungen oder Änderungen, während andere Länder wie Schweden oder die Niederlande am Zeitplan festhalten.
Noch deutlicher wird die Nervosität an einer anderen Front: Zehn EU-Staaten, darunter auch Österreich, haben Brüssel zuletzt gedrängt, der Industrie weiterhin kostenlose Kohlendioxid-Zertifikate zu gewähren, um die Folgen hoher Energiepreise abzufedern. Das ist bemerkenswert, weil es zeigt, dass der wirtschaftliche Gegendruck mittlerweile tief im System angekommen ist. Nicht nur Billigflieger rebellieren – sondern Mitgliedstaaten selbst.
Kerosin-Schock trifft die Branche schon jetzt
Hinzu kommt die aktuelle Realität am Energiemarkt. Wegen des Iran-Kriegs und der Unsicherheit rund um Lieferwege und Raffinerieversorgung steht Europa auch beim Kerosin unter Druck. Die EU erwägt mittlerweile sogar, Mitgliedstaaten zu verpflichten, eigene Kerosinreserven für Flugzeuge zu halten und diese bei Bedarf regional umzuverteilen. Die Kommission arbeitet also bereits am Krisenmanagement für den Luftverkehr – hält aber an der Klimaverteuerung fest.
Für Fluggesellschaften, Flughäfen, Passagiere und Tourismusregionen bleibt eine doppelte Belastung: teureres Kerosin auf der einen Seite, politisch verteuerte Emissionen auf der anderen.
Billigfliegen gerät unter Druck
Wird Fliegen deshalb bald zum Luxus? So absolut lässt sich das nicht sagen. Aber eines ist sehr wohl absehbar: Die Ära des immer billigeren Fliegens steht unter Druck. Wenn die Kerosinpreise wegen geopolitischer Krisen steigen, Fluggesellschaften zusätzlich Kohlendioxid-Zertifikate ersteigern müssen und einzelne Staaten wie Österreich noch eine eigene Flugabgabe draufsetzen, dann geraten gerade Billigmodelle zunehmend ins Schleudern. Fliegen dürfte in Europa teurer und weniger selbstverständlich werden als in den Jahren des permanenten Preisverfalls.
Nur: Ist das in der jetzigen Lage wirklich klug? Europa fällt wirtschaftlich zurück, Energie ist deutlich teurer als in anderen großen Wirtschaftsräumen, und gleichzeitig verteuern Wien und Brüssel das Wirtschaften weiter. Dass Kritiker diesen Kurs als Form der Selbstbeschädigung betrachten, ist jedenfalls alles andere als abwegig.
Historisch kam zuerst die Technik – heute zuerst der Preisdruck
Hinzu kommt ein grundsätzlicher Einwand. Große Energieübergänge gelangen in der Geschichte meist dann, wenn die neue Technik bereits zuverlässig, günstig und massentauglich war. Heute läuft vieles umgekehrt: Erst wird fossile Energie verteuert, dann hofft die Politik, dass Netze, Speicher, alternative Antriebe und Investitionen rasch genug nachkommen. Genau das macht den Übergang teuer, konfliktgeladen und politisch explosiv.
Wer auf neue Technologien bei der Dekarbonisierung setzt, müsste deshalb wenigstens eines fordern: mehr Markt, schnellere Genehmigungen, weniger Bürokratie, mehr technologische Offenheit. Wenn Kohlendioxid verteuert wird, Alternativen aber zugleich in Auflagen, Verfahren und Vorschriften stecken bleiben, entsteht kein sauberer Übergang – sondern bloß ein neuer Kostenschock.
Auf die massiven sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die nun drohen, reagiert die Europäische Union, indem sie den Start des neuen Emissionshandels für Gebäude und Verkehr mit Preisbremsen abzufedern. Sie stoppt diesen Prozess nicht, verlangsamt ihn aber.
Kann das Europa durchhalten?
Die Lage ist damit widersprüchlich genug: Brüssel arbeitet erinseits am Krisenmanagement für Kerosin, Staaten der Europäischen Union bremsen den neuen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr aus Angst vor höheren Spritkosten, Fluggesellschaften und Mitgliedstaaten drängen auf Entlastung – und trotzdem bleibt der Grundkurs unverändert. Kohlendioxid soll teurer werden.
Für Bürger, Unternehmen und Passagiere heißt das: Alles wird ohnehin teurer – und die Politik setzt noch eins drauf.

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