Seit mittlerweile zwei Jahren sind die selbstfahrenden Shuttlebusse auf einer Teststrecke in Klagenfurt unterwegs. Die Route führt von der Bahnhaltestelle Klagenfurt-West über die Universität bis zum Lakeside Park und gilt als anspruchsvoller Praxistest, berichtet die Kronen Zeitung.

Obwohl die Fahrzeuge autonom unterwegs sind, befindet sich aus Sicherheitsgründen stets ein speziell geschulter Begleiter an Bord. Die Busse fahren derzeit mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 20 Stundenkilometern.

Vom Kärntner Pilotprojekt auf die Weltbühne

Das Projekt des Kärntner Unternehmens SURAAA (Smart Urban Region Austria Alps Adriatic) sorgt inzwischen auch international für Aufmerksamkeit.

Beim renommierten „Dubai World Challenge for Self-Driving Transport“ gehörte der autonome Fahrdienst im vergangenen Jahr zu den fünf besten Projekten weltweit. Den Wettbewerb gewann schließlich ein Unternehmen aus China.

SURAAA-Manager Walter Prutej sieht vor allem China als weltweiten Vorreiter der Mobilitätswende. Nach Einschätzung Prutejs investieren insbesondere China und Kalifornien massiv in autonome Mobilität. Während in chinesischen Städten und im Silicon Valley bereits zahlreiche Robotaxis ohne Fahrer unterwegs sind, arbeitet Europa noch intensiv an Zulassungen und Testprojekten.

Dennoch sieht Prutej große Chancen für europäische Entwicklungen. Die von SURAAA entwickelten Shuttlebusse wurden bereits in Italien, Kroatien und Deutschland erfolgreich getestet. Ganz ohne Rückschläge verlief die Entwicklung allerdings nicht.

Im vergangenen Jahr fuhr einer der selbstfahrenden Busse während eines Testbetriebs über eine rote Ampel. Personen kamen dabei nicht zu Schaden, andere Verkehrsteilnehmer waren laut Projektverantwortlichen nicht betroffen.

Nach dem Vorfall wurden die Systeme umfassend überprüft und technische Anpassungen vorgenommen. Ziel sei es, ähnliche Fehler künftig vollständig auszuschließen.

Mensch bleibt größtes Unfallrisiko

Für Walter Prutej zeigt der Zwischenfall dennoch keinen grundsätzlichen Nachteil autonomer Fahrzeuge.

Er verweist darauf, dass rund 90 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen seien. Moderne Sensorik, Kameras und intelligente Steuerungssysteme könnten langfristig dazu beitragen, diese Fehler deutlich zu reduzieren. Bislang wurden rund vier Millionen Euro in das SURAAA-Projekt investiert. Der Bund unterstützt die Erprobung autonomer Busse in mehreren österreichischen Testregionen mit 3,5 Millionen Euro.

Allein in Klagenfurt legten die Fahrzeuge bisher mehr als 4.100 Kilometer zurück und transportierten rund 3.300 Fahrgäste ohne Unfall. In Pörtschach wurden innerhalb von zehn Jahren sogar rund 20.000 Menschen mit den autonomen Shuttles befördert.

Ein entscheidender Meilenstein könnte bereits in den kommenden Jahren erreicht werden. Nach Einschätzung von Prutej könnten die SURAAA-Busse bereits ab 2027 oder 2028 offiziell typisiert werden – ein Novum in Europa.

Mit einer Zulassung würden auch große Fahrzeughersteller als Produktionspartner interessant. Dadurch könnten die derzeit noch hohen Anschaffungskosten von rund 250.000 Euro pro Shuttle deutlich sinken.

Serienproduktion bis 2030, Alltag bis 2035

Die Vision der Entwickler ist klar: Bereits bis zum Jahr 2030 könnte die Serienproduktion autonomer Shuttlebusse beginnen.

Fünf Jahre später sollen fahrerlose Busse nach Einschätzung der Projektverantwortlichen ein selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Verkehrs sein – insbesondere auf der sogenannten „ersten und letzten Meile“, also als Verbindung zwischen Bahnhöfen, Wohngebieten und wichtigen Verkehrsknotenpunkten.

Sollten Zulassung, Technik und Infrastruktur wie geplant voranschreiten, könnte sich das Bild des öffentlichen Verkehrs in Österreich innerhalb des nächsten Jahrzehnts grundlegend verändern.