Nach starken Steigerungen, ist der Preis für Rohkakao innerhalb eines Jahres um fast drei Viertel gefallen. Eine Entwicklung, die theoretisch für Entlastung sorgen und die Schokoladenpreise für Verbraucher senken müsste.
Doch laut Branchenvertretern kommt diese Bewegung beim Endverbraucher kaum an. Franz Berger, Geschäftsführer von „Berger Feinste Confiserie“, brachte es im Gespräch mit dem ORF auf den Punkt: „(…) wir haben diese Steigerung immer nur sehr vorsichtig an den Kunden weitergegeben, weil wir auch dachten, dass dieses Phänomen nur zeitlich begrenzt ist und sich der Preis für Kakao dann wieder etwas nach unten korrigiert.“ Die Folge: Die Preise im Handel reagieren deutlich träger als die Märkte.
Langfristige Einkaufsstrategien bremsen Preissenkungen
Ein entscheidender Faktor liegt in der Beschaffung selbst. Kakao wird nicht kurzfristig eingekauft, sondern über lange Zeiträume hinweg gesichert.
Diese langfristige Planung sorgt dafür, dass kurzfristige Preisrückgänge nicht sofort weitergegeben werden können. Berger erklärt: „Deshalb dauert es auch sehr lange, bis diese Preise beim Kunden ankommen können, weil wir den Bedarf langfristig decken müssen.“
Mit anderen Worten: Was heute am Rohstoffmarkt passiert, wirkt sich oft erst Monate später an der Supermarktkasse aus.
Hohe Kosten jenseits des Rohstoffs
Hinzu kommt, dass Kakao nur ein Teil der Gesamtkosten ist. Energiepreise, Transport, Verpackung und Löhne treiben die Produktionskosten der Hersteller zusätzlich in die Höhe.
Gerade in den vergangenen Jahren haben sich diese Faktoren deutlich verteuert – und sorgen dafür, dass Preissenkungen beim Rohstoff nicht automatisch beim Endprodukt ankommen.
Der Fall Lindt: Schokolade wird zum Luxusgut
Wie hoch die Preise für Endverbraucher – trotz Einbruch des Kakaopreises –inzwischen liegen, zeigt ein Blick auf Saisonware. Für einen 200 Gramm schweren Schoko-Osterhasen von Lindt mussten Konsumenten in Österreich zuletzt rund neun Euro bezahlen.
Für manche Händler ist das zu viel. Ein Supermarktbetreiber in Deutschland verzichtete in diesem Jahr bewusst auf das Produkt – es sei schlicht nicht mehr rentabel gewesen.
Zwar sind Käufer bei saisonalen Produkten oft bereit, mehr Geld auszugeben. Doch auch diese Bereitschaft hat Grenzen. Der Marketingpsychologe Josef Sawetz erklärte dem Kurier: „Für saisonale Produkte wie Schoko-Osterhasen und gefärbte Ostereier sind wir weniger preissensibel und bereit mehr zu zahlen, als wir es für Normalware bereit wären.“

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