Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz die stärkste Siri-Überarbeitung seit Jahren vorgestellt. Die neue KI-Version beantwortet Fragen, erledigt Aufgaben, greift auf Dateien, Apps und Fotos zu. Start: noch in diesem Jahr.
Für rund 450 Millionen EU-Bürger gilt das vorerst nicht.
Das ist kein Einzelfall. Bereits 2024 hielt Apple KI-Funktionen in Europa zurück. iPhone-Spiegelung am Mac, Live-Übersetzung mit AirPods, standortbezogene Kartenfunktionen – all das fehlt EU-Nutzern bis heute.
Das Gesetz, das alles blockiert
Der Grund: der Digital Markets Act (DMA). Das EU-Wettbewerbsgesetz verpflichtet Tech-Konzerne wie Apple zur Interoperabilität. Heißt: Alternative KI-Assistenten von Drittanbietern müssten auf iPhones installierbar sein – mit vergleichbarem Systemzugriff wie Siri.
Genau daran scheitert der Streit.

Apple: „Massives Sicherheitsrisiko“
Apple warnt: Siri benötige tiefen Gerätezugriff – Dateien, Apps, Fotos, Passwörter. Würde Apple diesen Zugriff für externe Entwickler öffnen, entstehen gravierende Risiken: Passwortraub, manipulierte Kontoeinstellungen, autonome Datenabgriffe ohne Wissen des Nutzers – also ausgerechnet Risiken, vor denen Brüssel ansonsten gerne warnt.
Apple schlug einen Kompromiss vor: den sogenannten „Trusted System Agent“ – eine Vermittlungsschicht, die Konkurrenten über ein kontrolliertes Gateway Zugang zu denselben Gerätefunktionen geben sollte wie Siri AI. Einführungszeitraum: 18 Monate. Brüssel lehnte ab.
Brüssel: „Kein Wettbewerbsvorteil auf Kosten der Nutzer“
Die EU-Kommission weist das zurück. Apple sei als „Gatekeeper“ nicht berechtigt, den Markt abzuschotten, erklärte Kommissionssprecher Thomas Regnier. Und: Die Entscheidung, Siri AI nicht in der EU zu launchen, sei Apples eigene – nicht durch den DMA erzwungen.
Brüssels Lesart des 18-Monats-Vorschlags: Apple hätte anderthalb Jahre lang ohne Konkurrenz operiert. Kein Sicherheitspuffer – sondern ein Wettbewerbsvorteil auf Kosten der Nutzer. „Das ist keine Option.“
Wann oder ob die neue Siri in der EU startet, ist offen. Einen Zeitplan nannte Apple nicht. Die einzigen Ausnahme: der Mac-Computer. Auf iPhone, iPad und Apple Watch bleibt die alte Siri.
Meta, WhatsApp – und ein pikantes Detail
Apple ist nicht allein im Clinch mit Brüssel. Die Kommission ordnete gleichzeitig an: Meta muss WhatsApp für konkurrierende KI-Chatbots öffnen.
Ein kaum beachtetes Detail: Die neue Siri AI basiert auf Googles Gemini-Modell – von Apple lizenziert und angepasst. Der Assistent, den Brüssel aus Wettbewerbsgründen blockiert, läuft auf Google-KI.
Europa ist Apples zweitgrößter Markt. 2025 erzielte der Konzern dort 111 Milliarden Dollar Umsatz. Auch China bleibt vorerst ohne die neuen KI-Funktionen – Apples drittgrößter Absatzmarkt.
Siri heute, die Macht morgen
Der Streit um Siri ist größer als Siri.
KI-Assistenten werden zur wichtigsten digitalen Schnittstelle der Zukunft. Wer sie kontrolliert, kontrolliert den Zugang zu Informationen, Nachrichten, Käufen, Terminen. Welche App wird geöffnet? Welcher Dienst empfohlen? Welche Antwort angezeigt?
Das ist der eigentliche Grund, warum Brüssel kämpft. Und warum Apple nicht nachgibt.
Das eigentliche Problem
Hinter dem Streit steckt eine tieferes Problem: Europa wird bei Innovation, speziell im IT- und KI-Bereich, global abgehängt.
2024 entwickelten US-Institutionen 40 bedeutende KI-Modelle. Europa: drei. An privaten KI-Investitionen flossen 2025 rund 286 Milliarden Dollar in die USA – nach Europa 21 Milliarden. Europas Anteil an der globalen KI-Rechenkapazität: fünf Prozent. US-Anteil: achtzig.
Der Rückstand ist älter als die KI-Debatte. Laut dem bericht von Ex-EZB-Präsident Mario Draghi sind nur 4 der 50 größten Technologieunternehmen der Welt europäisch. Kein einziges EU-Unternehmen mit einem Börsenwert über 100 Milliarden Euro wurde in den vergangenen 50 Jahren von Grund auf aufgebaut.
„EU-Regulierung verlangsamt Innovation“
Die Washington Post warnt: Die EU-Regulierung habe kein europäisches Google, kein europäisches Apple und keinen konkurrenzfähigen KI-Rivalen hervorgebracht – nur die ausgefeilteste Maschinerie der Welt zum Verlangsamen von Innovation.
Die EU reguliert amerikanische Tech-Konzerne. Das Ziel ist teils legitim. Doch das Ergebnis ist immer dasselbe: Amerika bekommt die neue KI. Europa bekommt den Digital Markets Act.
Solange Europa keine eigenen Plattformen aufbaut, bleibt Regulierung das einzige Instrument. Und dieses Instrument bestraft immer zuerst die eigenen Bürger.
Die USA entwickeln. Europa reguliert.

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