Nach Informationen aus Branchenkreisen verzögert China die Freigabe neuer Airbus-Auslieferungen und setzt damit ein deutliches Signal an europäische Behörden.

Genehmigungen bleiben aus

Im Mittelpunkt der aktuellen Auseinandersetzung stehen notwendige Freigaben der chinesischen Luftfahrtbehörde CAAC. Ohne diese abschließenden Genehmigungen können neue Airbus-Flugzeuge nicht offiziell importiert und von chinesischen Airlines in Betrieb genommen werden.

Nach Angaben mehrerer mit dem Vorgang vertrauter Personen werden entsprechende Freigaben, Medienberichten zufolge seit Monaten verzögert. Die Maßnahmen gelten in Branchenkreisen als gezielte Reaktion auf die schleppende Zertifizierung chinesischer Verkehrsflugzeuge in Europa.

Chinas Flugzeugbauer wartet auf Europas Zustimmung

Es geht um den chinesischen Flugzeugbauer Comac. Das Unternehmen gilt als Pekings ambitioniertester Versuch, langfristig eine Alternative zu Airbus und Boeing aufzubauen.

Besonders wichtig ist dabei das Mittelstreckenflugzeug C919. Das Modell wurde entwickelt, um direkt mit den erfolgreichen Single-Aisle-Maschinen westlicher Hersteller zu konkurrieren.

Für Comac wäre eine Zulassung durch die europäische Luftfahrtbehörde EASA von enormer Bedeutung. Erst dadurch könnte das Flugzeug in größerem Umfang auf internationalen Märkten angeboten werden und über China hinaus neue Kunden gewinnen.

Bislang fehlt jedoch die entsprechende Zertifizierung. Ohne die Anerkennung durch europäische oder amerikanische Behörden bleiben viele Fluggesellschaften und Leasinggesellschaften zurückhaltend.

Airbus spürt die Folgen bereits

Die Auswirkungen der China-Verzögerungen wurden im Frühjahr sichtbar. Während der Präsentation der Quartalszahlen hatte Airbus-Chef Guillaume Faury von administrativen Problemen in China berichtet.

Demnach konnten zeitweise nahezu 20 fertig produzierte Flugzeuge nicht an chinesische Kunden ausgeliefert werden.

Die Folgen waren erheblich. Airbus verzeichnete im ersten Quartal die niedrigste Zahl an ausgelieferten Verkehrsflugzeugen seit 2009. Gleichzeitig stauten sich fertig produzierte Maschinen auf den Werksgeländen.