Nach Informationen aus Rumänien soll ein Angreifer nach einem gescheiterten Erpressungsversuch die Systeme der Katasterbehörde ANCPI massiv beschädigt haben. Im Darknet prahlte der Hacker damit, nicht nur Daten gelöscht, sondern auch Online-Sicherungskopien manipuliert zu haben, sodass eine Wiederherstellung unmöglich sei.

Zudem sollen interne Daten und Quellcodes zum Verkauf angeboten worden sein. Da das rumänische Grundbuch vollständig digital verwaltet wird, hat der Angriff das gesamte System ins Wanken gebracht, berichtet die Krone.

Immobilienmarkt kommt zum Stillstand

Die Auswirkungen sind landesweit spürbar. Notare können derzeit keine Kaufverträge abschließen, Eigentumsnachweise lassen sich nicht ausstellen und Banken vergeben keine neuen Hypothekendarlehen. Zahlreiche Immobilientransaktionen liegen auf Eis.

Für viele Betroffene bedeutet das erhebliche finanzielle Unsicherheit – insbesondere für Käufer, die kurz vor dem Abschluss eines Immobiliengeschäfts stehen.

Besonders brisant ist der Zeitpunkt des Angriffs. Ab dem 1. August soll die Mehrwertsteuer auf Neubauwohnungen in Rumänien von bisher neun auf 21 Prozent steigen.

Da viele Kaufverträge wegen des Systemausfalls nicht rechtzeitig abgeschlossen werden können, drohen Käufern erhebliche Mehrkosten. In manchen Fällen steht sogar die bereits geleistete Anzahlung auf dem Spiel. Das rumänische Parlament berät deshalb über eine Notverordnung, um die Frist für die Steuererhöhung zu verlängern.

Behörden widersprechen Hacker

Während der Angreifer behauptet, sämtliche Backups zerstört zu haben, gibt sich die Katasterbehörde vorsichtig optimistisch. Nach offiziellen Angaben existieren sogenannte Offline-Sicherungen, mit deren Hilfe das System wiederhergestellt werden soll.

Wann der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann, ist allerdings völlig offen. Gleichzeitig warnt die Behörde davor, unbestätigte Informationen über das Ausmaß des Schadens zu verbreiten. Nach ersten Erkenntnissen soll sich der Hacker mit gültigen Zugangsdaten Zugang zum System verschafft haben. IT-Experten vermuten hinter dem Angriff einen Cyberkriminellen mit dem Pseudonym „ByteToBreach“, der bereits in der Vergangenheit Regierungsstellen attackiert haben soll.

Besonders brisant: Die rumänische Cybersicherheitsbehörde hatte die Katasterverwaltung bereits mehrfach vor gravierenden Sicherheitsmängeln gewarnt. Veraltete Software, fehlende Schutzmechanismen und erschreckend einfache Passwörter sollen dem Angreifer den Weg geebnet haben.

Laut Recherchen einer Investigativplattform nutzten einzelne Mitarbeiter sogar Standardpasswörter wie „passw0rd“ – ein gravierendes Sicherheitsversäumnis, das den folgenschweren Angriff erheblich erleichtert haben könnte.