Mit einem gewaltigen Investitionspaket will die Stadt Graz ihren öffentlichen Verkehr grundlegend umbauen.
Am 7. April fällt der Startschuss für das umfangreiche Infrastrukturprojekt. Herzstück ist die Erweiterung und Modernisierung der bestehenden Remise sowie der Werkstätten in der Steyrergasse. Der Hintergrund ist klar: Das bestehende System stößt an seine Grenzen. Aktuell ermöglicht das System rund 85 Straßenbahnen den Einsatz – künftig soll die Infrastruktur Platz für bis zu 128 Fahrzeuge bieten.
Diese Erweiterung ist vor allem auf die neuen, deutlich längeren Straßenbahnmodelle ausgelegt. Sie können rund 200 Fahrgäste transportieren und benötigen entsprechend mehr Raum für Wartung und Abstellung.
Bauarbeiten bis 2030 – Schritt für Schritt zur neuen Infrastruktur
Die Umsetzung des Projekts erfolgt schrittweise und erstreckt sich über mehrere Jahre. Zu Beginn stehen Leitungsumlegungen im Bereich des Schönaugürtels sowie der Steyrergasse im Fokus. Der Umbau der Steyrergasse gilt dabei als entscheidender Baustein, um den Straßenbahnbetrieb künftig flexibler und leistungsfähiger zu gestalten.
Im weiteren Verlauf sind mehrere zentrale Etappen vorgesehen: Im Jahr 2027 soll die Gleisanbindung in westlicher Richtung erfolgen, ein Jahr später – 2028 – ist die Erweiterung nach Osten geplant. Den Abschluss bildet im August 2030 die Inbetriebnahme der neuen zentralen Wartungshalle.
Modernisierung mit Klimakomponente
Neben Kapazität und Technik spielt auch Nachhaltigkeit eine Rolle. Auf den Dächern der Remise sollen Photovoltaikanlagen mit einer Fläche von rund 11.000 Quadratmetern installiert werden. Die erwartete Leistung liegt bei 1,4 MWp. Ergänzend ist eine begrünte Fassade vorgesehen, die das Mikroklima verbessern soll.
Allerdings bringt der Ausbau auch Eingriffe in die bestehende Umgebung mit sich: Rund 40 Bäume müssen zu Beginn der Arbeiten weichen. Als Ausgleich sind 50 Neupflanzungen geplant.
Neue Fahrzeuge: Mehr Platz für Fahrgäste
Parallel zum Ausbau der Infrastruktur wird auch die Fahrzeugflotte modernisiert. Künftig sollen neue Flexity-Straßenbahnen des Herstellers Alstom zum Einsatz kommen. Diese Modelle sind bereits in anderen Städten im Einsatz und zeichnen sich durch größere Kapazitäten und moderne Technik aus.
Großprojekt trifft auf Haushaltsrealität
So ambitioniert die Pläne sind – sie stehen unter einem finanziellen Vorbehalt. Die Stadt befindet sich in einer angespannten Haushaltslage. Der Schuldenstand liegt aktuell bei 1,95 Milliarden Euro und könnte schon bald die symbolisch bedeutende Schwelle von zwei Milliarden überschreiten. Das Kontrollamt mahnt bereits einen „konsequenten Reformkurs“ an. Der Spardruck ist deutlich spürbar – und betrifft längst nicht mehr nur einzelne Bereiche.
Sparmaßnahmen greifen bereits – auch in anderen Bereichen
Die finanziellen Einschränkungen werden besonders im Kulturbereich sichtbar, etwa bei den Bühnen Graz. Bis einschließlich 2028/29 sollen rund 14,6 Millionen Euro eingespart werden. Bereits in der laufenden Saison 2025/26 fehlen etwa 4 Millionen Euro. Für die Saison 2026/27 ergibt sich durch zusätzliche Einsparungen und eine ausbleibende Valorisierung eine Differenz von 3,7 Millionen Euro, im darauffolgenden Jahr 2027/28 kommen weitere 3,4 Millionen Euro hinzu.

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