Wie der Münchner Merkur berichtete, wurde am 17. April das sogenannte „Low-energy Charged Particles Experiment“ (LECP) deaktiviert. Das Instrument hatte seit dem Start 1977 nahezu ununterbrochen Daten geliefert und dabei geladene Teilchen wie Ionen, Elektronen und kosmische Strahlung gemessen – ein einzigartiger Blick in Regionen jenseits unseres Sonnensystems.
Über 25 Milliarden Kilometer entfernt – jedes Watt zählt
„Voyager 1“ ist mit rund 25 Milliarden Kilometern Entfernung das am weitesten entfernte von Menschen gebaute Objekt. Doch genau diese Distanz macht die Mission immer schwieriger. Laut Netzwelt sinkt die Leistung der Energiequelle – einer Radionuklidbatterie auf Basis von Plutonium-238 – jedes Jahr um etwa vier Watt. Nach Jahrzehnten im All ist die verfügbare Energie nun extrem knapp.
Bereits Ende Februar kam es zu einem kritischen Moment: Während eines Manövers brach die Energieversorgung plötzlich ein. Die Gefahr war groß, dass sich die Sonde automatisch selbst abschaltet – mit möglicherweise fatalen Folgen. Die NASA reagierte sofort und trennte das LECP-Instrument vom Netz, um Strom zu sparen.
Ein Jahr Aufschub – dann kommt der „Big Bang“-Plan
Die Abschaltung verschafft der Sonde nun etwa ein zusätzliches Jahr Lebenszeit. Doch die Ingenieure arbeiten bereits am nächsten Schritt. Wie IT Boltwise berichtete, plant die NASA ein umfassendes Energiesparprogramm mit dem internen Namen „Big Bang“.
Dabei sollen mehrere Systeme gleichzeitig abgeschaltet und durch effizientere Betriebsmodi ersetzt werden – ein extrem riskantes Unterfangen bei einer Sonde, die so weit von der Erde entfernt ist, dass Funksignale rund 23 Stunden für eine Strecke benötigen.
Zunächst soll das Manöver bei „Voyager 2“ getestet werden, die etwas näher an der Erde ist. Verläuft alles nach Plan, könnte „Voyager 1“ ab Sommer 2026 folgen.
Letzte Hoffnung: Weiterbetrieb bis in die 2030er
Trotz der drastischen Maßnahmen gibt es noch Hoffnung. Zwei wissenschaftliche Instrumente von „Voyager 1“ sind weiterhin aktiv und liefern Daten aus dem interstellaren Raum – einer Region, die bislang kein anderes Raumfahrzeug erreicht hat.
Langfristig hofft die NASA sogar, das abgeschaltete Instrument wieder in Betrieb zu nehmen. Ziel ist es, die Mission der beiden Sonden bis in die 2030er-Jahre zu verlängern.
Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen – und jeder zusätzliche Tag im All könnte neue Erkenntnisse über die Grenzen unseres Sonnensystems bringen.

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