Wie Apollo News berichtete, meldeten zwischen dem 12. und dem 22. Juni 2026 gleich drei deutsche Brauereien Insolvenz an: die Brauerei Ott aus Bad Schussenried mit rund 40 Mitarbeitern, die Aktienbrauerei Kaufbeuren – gegründet 1308, mehr als sieben Jahrhunderte Brauereigeschichte, 84 Beschäftigte – und das Hofbrauhaus Wolters aus Braunschweig, das seit 1627 Bier braut.

Der Blick auf den langfristigen Trend macht die Lage noch deutlicher: In den vergangenen sechs Jahren haben in Deutschland insgesamt 137 Brauereien aufgegeben, allein 52 davon im Jahr 2024.

Bierkonsum auf historischem Tief

Ein zentraler Grund für die anhaltende Krise ist der schwindende Bierkonsum. Der Bierabsatz in Deutschland fiel 2025 um sechs Prozent auf 7,8 Milliarden Liter – der niedrigste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1993 und erstmals unter der 8-Milliarden-Liter-Marke.

Veränderte Konsumgewohnheiten spielen dabei eine wesentliche Rolle: Insbesondere jüngere Erwachsene greifen häufiger zu Wein, Cocktails oder alkoholfreien Alternativen. Der Markt für alkoholfreies Bier wächst zwar, gleicht den Rückgang beim klassischen Bier aber bei weitem nicht aus.

Kosten steigen von mehreren Seiten

Parallel zum sinkenden Absatz steigen die Betriebskosten. Brauereien gehören zu den energieintensiven Betrieben – Prozesskühlung und Dampferzeugung verschlingen große Mengen Gas und Strom. Hinzu kommen gestiegene Löhne sowie höhere Preise für Rohstoffe wie Hopfen, Braumalz, Flaschen und Kohlensäure. Braumalz verteuerte sich infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine erheblich, da die Ukraine als wichtiger Gerstenexporteur ausgefallen ist.

Zusätzlich steht die Branche vor dem Umbau ihrer Produktionsanlagen: Deutschlands Klimaneutralitätsziel bis 2045 erfordert die schrittweise Abkehr von gas- und ölbetriebenen Anlagen. Gasbetriebene Sudpfannen müssen durch elektrisch beheizte Alternativen oder Wärmepumpen ersetzt, Kälteanlagen auf neue Kältemittel umgestellt werden. Das Riedenburger Brauhaus beziffert den Investitionsbedarf für einen mittelgroßen Betrieb auf über eine Million Euro – und konnte den Umbau nur dank einer Förderung aus dem Bayerischen Energieforschungsprogramm stemmen.

Branchenverband fordert politische Klarheit

Der Deutsche Brauer-Bund fordert seit Jahren verlässlichere Rahmenbedingungen in der Energiepolitik sowie den Abbau bürokratischer Belastungen. Für Brauereien wie Ott, Kaufbeuren und Wolters sind diese Forderungen zu spät gekommen.