Kurz vor Beginn der Urlaubssaison sorgt eine geplante Reform der europäischen Fluggastrechte für heftige Diskussionen. Nach aktuellen Plänen könnten Passagiere künftig deutlich geringere Entschädigungen erhalten und länger auf Ersatzflüge warten müssen.

Am Mittwoch findet eine entscheidende Verhandlungsrunde zwischen EU-Parlament, Ministerrat und Kommission statt. Bis Mitte Juni soll eine Einigung erzielt werden. Es wäre bereits der dritte Versuch, die bestehenden Fluggastrechte zu reformieren. Frühere Anläufe waren am Widerstand mehrerer Mitgliedstaaten gescheitert, berichtet die Kronen Zeitung.

Entschädigungen sollen massiv sinken

Besonders kritisch sehen Konsumentenschützer die geplante Kürzung der Entschädigungszahlungen bei Flugverspätungen.

Derzeit erhalten Fluggäste:

  • 250 Euro bei Flügen bis 1.500 Kilometer
  • 400 Euro bei Strecken zwischen 1.500 und 3.500 Kilometer
  • 600 Euro bei Langstreckenflügen

Nach den aktuellen Vorschlägen könnten diese Beträge auf etwa ein Drittel reduziert werden. Für viele Reisende würde das bedeuten, dass sie bei langen Verspätungen deutlich höhere Zusatzkosten selbst tragen müssten.

Ersatzflüge nur noch eingeschränkt erstattungsfähig

Auch bei Ersatzbeförderungen drohen Einschränkungen. Bislang müssen Fluggesellschaften sämtliche Kosten übernehmen, wenn Passagiere auf andere Verbindungen ausweichen müssen. Künftig soll die Erstattung auf das Vierfache des ursprünglichen Ticketpreises begrenzt werden. Wer beispielsweise ein günstiges Langstreckenticket gekauft hat, könnte dadurch auf erheblichen Mehrkosten sitzen bleiben, wenn kurzfristig ein teurer Ersatzflug gebucht werden muss.

Längere Wartezeiten für Reisende

Die Reform sieht außerdem vor, dass Passagiere zunächst selbst aktiv ihren Weiterreisewunsch anmelden müssen. Danach könnten sie bis zu drei Stunden auf ein Angebot der Fluggesellschaft warten müssen. Zudem müsste die angebotene Alternative nicht zwingend die schnellste oder gleichwertige Verbindung sein. Auch andere Flughäfen, geänderte Routen oder alternative Verkehrsmittel wie Bahnverbindungen könnten künftig als Ersatzlösung angeboten werden. Ein weiterer Streitpunkt betrifft Flugausfälle aufgrund von Personalproblemen. Nach den aktuellen Vorschlägen sollen Streiks von Piloten, Kabinenpersonal oder anderen Beschäftigten künftig grundsätzlich als außergewöhnliche Umstände gelten. In solchen Fällen hätten Passagiere keinen Anspruch mehr auf Entschädigungen. Gewerkschaften kritisieren diese Regelung scharf. Sie befürchten, dass damit der wirtschaftliche Druck auf Fluggesellschaften während Arbeitskämpfen deutlich sinken würde.

Neue Gebühren für Nichterscheinen geplant

Zusätzlich wird über sogenannte „No-Show-Gebühren“ diskutiert. Wer einen gebuchten Flug nicht antritt, könnte künftig mit zusätzlichen Kosten belastet werden. Kritiker sehen darin eine weitere Einnahmequelle für Fluggesellschaften, obwohl diese ihre Flüge häufig bewusst überbuchen. Die geplante Reform sorgt auch innerhalb der EU für Uneinigkeit. Während unter anderem Polen, Tschechien und mehrere baltische Staaten die Änderungen unterstützen, formiert sich Widerstand aus anderen Ländern. Zu den Kritikern zählen Österreich, Deutschland, Spanien, Portugal und Slowenien.

Österreich fordert Schutz der Reisenden

Österreich spricht sich gegen eine Schwächung der bestehenden Passagierrechte aus. Konsumentenschutz-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte, dass die Interessen der Reisenden Vorrang haben müssten. Es könne nicht sein, dass Probleme der Fluggesellschaften letztlich auf Kosten der Passagiere gelöst würden. Noch ist offen, welche Punkte letztlich tatsächlich beschlossen werden. Klar ist jedoch: Die laufenden Verhandlungen könnten die Rechte von Millionen europäischen Flugreisenden nachhaltig verändern. Ob die geplanten Verschärfungen in dieser Form kommen oder ob kritische Mitgliedstaaten noch Änderungen durchsetzen können, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden.