Nach Angaben des Ifo-Instituts sehen rund acht Prozent der Unternehmen in Deutschland ihre wirtschaftliche Existenz gefährdet. Damit wächst die Zahl jener Betriebe, die ihre Zukunft zunehmend pessimistisch einschätzen.

Als größte Belastungen nennen die Unternehmen vor allem drei Faktoren: fehlende Aufträge und eine schwache Nachfrage, steigende Energie- und Betriebskosten sowie immer komplexere bürokratische Anforderungen.

Hinzu kommen wachsende Liquiditätsprobleme. Viele Firmen berichten davon, dass Kunden Ausgaben zurückfahren oder selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Dadurch breitet sich die Krise entlang der Lieferketten immer weiter aus.

Einzelhandel erreicht neuen Krisenhöchststand

Besonders dramatisch ist die Lage im Einzelhandel. Dort sieht sich inzwischen fast jedes fünfte Unternehmen existenziell bedroht. Mit 17,4 Prozent erreicht der Wert laut Ifo-Institut einen neuen Höchststand.

Viele Händler kämpfen mit einer anhaltenden Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Gleichzeitig verschärfen aggressive Online-Plattformen und günstige Anbieter aus dem Ausland den Wettbewerbsdruck zusätzlich.

Im gesamten Handelssektor fürchten laut Umfrage 11,6 Prozent der Unternehmen, ihr Geschäft aufgeben zu müssen.

Gastronomie und Hotellerie besonders betroffen

Auch Dienstleister geraten zunehmend unter Druck. Laut Ifo sehen 7,6 Prozent der Unternehmen in diesem Bereich ihre Existenz gefährdet.

Besonders kritisch ist die Situation in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche. Dort liegt der Anteil existenzbedrohter Betriebe bei nahezu 20 Prozent.

Industrie leidet unter Energiepreisen und internationalem Wettbewerb

In der Industrie hat sich die Lage zwar leicht stabilisiert, dennoch bleibt der Druck enorm. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Existenz bedroht sehen, liegt weiterhin bei 7,5 Prozent.

Vor allem exportorientierte Betriebe leiden unter hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie zunehmenden Wettbewerbsnachteilen gegenüber asiatischen Konkurrenten.

Insolvenzen auf höchstem Stand seit 2005

Wie ernst die wirtschaftliche Lage inzwischen ist, zeigen auch aktuelle Zahlen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Im April wurden 1.776 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Das ist der höchste Wert seit Juni 2005.

Verglichen mit durchschnittlichen April-Werten der Jahre 2016 bis 2019 liegt die Zahl der Insolvenzen damit um 82 Prozent höher.