Nach einer aktuellen Erhebung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mussten in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 12.900 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das sind 7,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und zugleich der höchste Halbjahreswert seit mehr als zehn Jahren.

Die erhoffte konjunkturelle Erholung in der deutschen Wirtschaft ist somit bislang ausgeblieben, viele Unternehmen kämpfen weiterhin mit hohen Kosten, schwacher Nachfrage und einem schwierigen internationalen Umfeld.

„Die steigenden Insolvenzzahlen offenbaren eine tiefe strukturelle Krise bei unseren Unternehmen“, erklärte Creditreform-Chefökonom Patrik-Ludwig Hantzsch in einer Stellungnahme.

Milliardenverluste und tausende gefährdete Arbeitsplätze

Die Folgen der Pleitewelle sind erheblich. Nach Angaben von Creditreform summierten sich die Schäden für Gläubiger – darunter Banken, Lieferanten und Sozialversicherungsträger – im ersten Halbjahr auf rund 28,5 Milliarden Euro.

Gleichzeitig waren etwa 165.000 Arbeitsplätze direkt von Unternehmensinsolvenzen betroffen. Besonders problematisch: Immer häufiger geraten inzwischen auch größere Unternehmen in Schieflage. Die Zahl der Insolvenzen bei Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten stieg um 28,6 Prozent und damit deutlich stärker als im Gesamtmarkt.

Zu den prominenten Fällen zählten zuletzt unter anderem die Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und der Spielwarenhändler Rofu Kinderland.

Junge Unternehmen geraten zunehmend unter Druck

Besonders schwierig bleibt die Lage für Gründer und junge Unternehmen. Bis zu zwei Jahre nach dem Markteintritt mussten im ersten Halbjahr 1.140 Unternehmer ihre Geschäftstätigkeit aufgeben – ein Anstieg von 25,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen“, sagte Hantzsch. Gerade junge Unternehmen verfügen häufig nur über geringe finanzielle Reserven und sind deshalb besonders anfällig für steigende Kosten, schwächere Nachfrage oder Finanzierungsschwierigkeiten.

Nordrhein-Westfalen bleibt Brennpunkt der Pleitewelle

Ein besonderer Schwerpunkt des Insolvenzgeschehens liegt in Nordrhein-Westfalen. Für das erste Halbjahr prognostiziert Creditreform dort insgesamt 3.290 Unternehmensinsolvenzen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg von 3,5 Prozent.

Kein anderes Bundesland verzeichnet derzeit eine höhere absolute Zahl an Firmenzusammenbrüchen. Einen ähnlich hohen Wert gab es zuletzt im ersten Halbjahr 2016.

Besonders stark betroffen sind nach Angaben von Creditreform die regionale Bauwirtschaft und der Dienstleistungssektor.