Der Krieg im Iran trifft Europas Flugverkehr an einer empfindlichen Stelle: beim Kerosin. Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Energierouten der Welt, ist blockiert. Teheran hat damit den Druck auf die internationalen Märkte massiv erhöht.
Die Folge: Die Lieferungen aus dem Nahen Osten brechen ein. Die Preise explodieren. Und Europas Airlines beginnen bereits, ihre Flugpläne zusammenzustreichen.
Lufthansa streicht 20.000 Flüge
Besonders deutlich wird das bei Lufthansa. Der Konzern streicht bis Oktober rund 20.000 Kurzstreckenflüge. Begründung: die stark gestiegenen Kerosinpreise.
Offiziell heißt es: Es fehle nicht akut an Treibstoff. Die Flüge würden wegen hoher Kosten gestrichen, nicht wegen leerer Tanks.
Doch diese Trennung ist nur halb beruhigend. Denn hohe Preise fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Warnsignal eines Marktes, der Knappheit und Ersatzbeschaffung bereits einpreist. Kurz gesagt: Noch stehen Europas Flughäfen nicht trocken. Aber der Treibstoff wird so teuer und unsicher, dass erste Fluglinien bereits reagieren.
Die Zahlen sind alarmierend
Die Internationale Energieagentur – kurz IEA – meldet einen dramatischen Einbruch: Europas Kerosinimporte aus dem Nahen Osten fielen im April von 330.000 Barrel pro Tag auf nur noch 60.000 Barrel pro Tag. Ein Barrel entspricht rund 159 Litern.
Die Lücke ist gewaltig. Zwar kommen zusätzliche Lieferungen aus den USA und Nigeria. Doch nach Einschätzung der IEA reicht das bisher nicht aus, um den Ausfall vollständig zu ersetzen.
Europa müsste nach IEA-Einschätzung mindestens 80 bis 90 Prozent der verlorenen Mengen ausgleichen, um Engpässe in der Sommersaison zu vermeiden. Im April erreichten die europäischen Kerosinimporte aber nur rund 70 Prozent des März-Niveaus.
Brüssel beschwichtigt – und bereitet Notfälle vor
Die EU-Kommission betont: Derzeit gebe es keine akuten Treibstoffengpässe in der EU. Doch im nächsten Satz wird es brisant. Regionale Versorgungsprobleme könnten in den kommenden Wochen entstehen, falls die Blockade der Ölströme über Hormus nicht gelöst wird. Besonders betroffen sei Kerosin.
Genau deshalb tagte in Brüssel die Oil Coordination Group – also die Öl-Koordinierungsgruppe der EU. Am Tisch saßen Vertreter der EU-Staaten, der IEA, der NATO und der Ölindustrie.
Diskutiert wurden auch Notfallvorräte. Aber selbst Brüssel räumt ein: Wenn Reserven freigegeben werden, müssten sie mit Sparmaßnahmen kombiniert werden. Sonst sind sie zu schnell aufgebraucht. Es herrscht Krisenmanagement – und damit besteht kein Grund zur Entwarnung.
EU wusste offenbar zu wenig über eigene Vorräte
Besonders peinlich für Brüssel: Die EU baut jetzt erst ein neues Kontrollinstrument auf. Ein sogenanntes Fuel Observatory soll künftig Produktion, Importe, Exporte und Lagerbestände von Verkehrstreibstoffen überwachen. Also genau jene Daten, die man in einer solchen Krise längst in Echtzeit bräuchte.
Man fragt sich: Wie kann eine Union, die Unternehmen und Bürger mit immer neuen Energie- und Klimavorgaben überzieht, bei einem zentralen Treibstoff wie Kerosin so schlecht vorbereitet sein?
Europa wollte fossile Abhängigkeiten politisch wegregulieren. Doch wenn es ernst wird, fehlen stabile Lieferketten, ausreichende Reserven und ein klarer Überblick.
Warnung von IATA: Ausfälle ab Ende Mai möglich
Auch die Flugbranche schlägt Alarm. Die IATA – International Air Transport Association, der Weltverband der Fluggesellschaften – warnt vor möglichen Flugausfällen in Europa ab Ende Mai. IATA-Chef Willie Walsh nannte die Einschätzung der IEA „ernüchternd“.
Seine Forderung: Die Behörden müssten gut koordinierte und klar kommunizierte Notfallpläne vorbereiten. Falls Treibstoff rationiert werden muss, brauche es auch Erleichterungen bei Start- und Landerechten. Die Airlines wollen wissen, was passiert, wenn Kerosin nicht mehr überall in ausreichender Menge verfügbar ist.
Preise schießen nach oben
Auch die Preisdaten zeigen, wie angespannt die Lage ist. Der aktuelle IATA-Fuel-Monitor weist einen globalen Durchschnittspreis von 162,55 Dollar pro Barrel aus. Anfang April meldete S&P Global für Europa sogar neue Rekordwerte. Seit Beginn des Krieges lagen die Kerosinpreise demnach zeitweise etwa doppelt so hoch wie 2025.
Für Fluglinien ist das dramatisch. Kerosin gehört zu den größten Kostenblöcken im Flugbetrieb. Wenn sich der Preis verdoppelt, geraten zuerst jene Strecken unter Druck, die ohnehin wenig Gewinn bringen.
Genau das trifft Kurzstrecken besonders hart.
Die Verantwortung liegt bei Teheran – und bei Brüssel
Die unmittelbare Ursache der Krise liegt bei Iran. Teheran setzt mit der Blockade von Hormus eine zentrale Versorgungsroute unter Druck. Das trifft nicht nur den Ölmarkt, sondern direkt Europas Luftverkehr.
Doch Brüssel kann sich nicht einfach herausreden. Die EU hat sich jahrelang energiepolitisch in eine gefährliche Lage manövriert. Sie redet von Resilienz, aber reagiert spät. Sie reguliert zunehmend den Alltag der Bürger, muss aber in der Krise erst ein Treibstoff-Monitoring aufbauen. Sie beschwichtigt öffentlich, während intern bereits Notfallvorräte und Sparmaßnahmen diskutiert werden.
Das Problem ist auch ein Europa, das sich abhängig gemacht hat – und dann so tut, als sei alles unter Kontrolle. Die Passagiere zahlen am Ende die Rechnung. Für Bürger kann diese Krise rasch spürbar werden.

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