Berechnungen der KMU Forschung Austriam, die im April veröffentlicht worden sind, zeigen nun das enorme Ausmaß der Belastung. Jedes Jahr verursacht Bürokratie Kosten von rund 21,1 Milliarden Euro – das entspricht unglaublichen 669 Euro pro Sekunde. Umgerechnet entspricht das etwa 200.000 Arbeitskräften, die ausschließlich mit Verwaltung, Nachweisen, Genehmigungen oder Dokumentationspflichten beschäftigt sind – statt produktiv Wertschöpfung zu betreiben.

Kleine Betriebe trifft es besonders hart

Laut einer Umfrage des Market-Instituts aus dem November 2025 fühlen sich 86 Prozent der Betriebe durch Bürokratie belastet. 24 Prozent sprechen sogar von einer „sehr starken“ Belastung.

Besonders kleine und mittlere Betriebe geraten dadurch zunehmend unter Druck. Während Konzerne eigene Verwaltungsabteilungen beschäftigen können, verlieren kleinere Unternehmen wertvolle Zeit und Ressourcen im täglichen Kampf mit Formularen, Dokumentationspflichten und komplizierten Vorschriften.

Gerade Ein-Personen-Unternehmen verlieren enorme Mengen an Arbeitszeit. Durchschnittlich rund 250 Stunden pro Jahr entfallen dort allein auf bürokratische Aufgaben – mehr als sechs Wochen Arbeitszeit ohne direkte wirtschaftliche Leistung.

Das trifft den Kern der österreichischen Wirtschaft besonders empfindlich. Denn 99,7 Prozent aller Unternehmen im Land zählen zu den kleinen und mittleren Betrieben.

Österreich verliert im Europa-Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit

Im internationalen Vergleich wirkt sich die zunehmende Überregulierung immer stärker als Standortnachteil aus. In der aktuellen „Executive Opinion Survey“ des World Economic Forum erreicht Österreich beim regulatorischen Umfeld lediglich 3,1 Punkte auf einer Skala von 1 („übermäßig komplex“) bis 7 („extrem einfach“). Der EU-Durchschnitt liegt hingegen bei 3,9 Punkten.

Länder wie Finnland zeigen laut Experten, dass deutlich effizientere Verwaltungsstrukturen möglich wären.

Damit wächst die Sorge, dass Österreich im internationalen Wettbewerb weiter an Attraktivität verlieren könnte – insbesondere bei Investitionen und Unternehmensgründungen.

Auch Deutschland kämpft mit Bürokratie-Frust

Nicht nur Österreich ächzt unter der wachsenden Regulierungsdichte. Auch in Deutschland wird Bürokratie zunehmend zum politischen Reizthema.

Die deutsche Bundesregierung versucht nun, den Frust der Bürger und Unternehmen aktiv in Reformprozesse einzubinden. Mit Plattformen wie „EinfachMachen“ und „Deutschland, was nervt, was geht?“ sollen Bürger konkrete Probleme mit Behörden oder Verwaltung melden können.

Seit Jahresbeginn gingen dort bereits mehr als 20.000 Meldungen ein. Besonders häufig genannt werden komplizierte Steuererklärungen, digitale Behördengänge, Führerschein- und Ausweisverfahren sowie umfangreiche Nachweis- und Berichtspflichten für Unternehmen.