Die Freiheitliche Wirtschaft sieht die Reformschritte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) als ersten Erfolg jahrelangen politischen Drucks. Der freiheitliche Wirtschaftsverband verweist darauf, seit Jahren eine Modernisierung und Verschlankung der Kammerstrukturen zu fordern.

Der geplante Abbau von rund 200 der derzeit 800 Stellen in der Bundeskammer bis Ende 2027, die Verschlankung von Strukturen sowie Entlastungen für Betriebe in Höhe von 100 Millionen Euro bis 2030 seien zwar „Schritte in die richtige Richtung“, könnten aber nur der Beginn eines umfassenden Reformprozesses sein.

„Reformen im Schneckentempo reichen nicht“

FW-Bundesfachrätin Silvia Hubmann fordert weitere konsequente Maßnahmen. Dazu zählen aus Sicht des Wirtschaftsverbands der Abbau von Doppelgleisigkeiten zwischen Bundes- und Landeskammern, eine Überprüfung bestehender Strukturen, eine deutliche Senkung der Kammerumlagen sowie eine grundsätzliche Debatte über die Pflichtmitgliedschaft.

Unternehmer würden mehr Freiheit, mehr Transparenz und stärkere Mitbestimmung erwarten.

„Es freut uns, dass nun erste Reform- und Modernisierungsschritte gesetzt werden. Doch Österreichs Unternehmer brauchen keine Reformen im Schneckentempo, sondern einen echten Neustart mit tiefgreifenden Einschnitten in der Interessenvertretung“, erklärte Hubmann.

Kritik an Wirtschaftskammer und Bundesregierung

Neben den internen Reformen fordert die Freiheitliche Wirtschaft auch ein entschlosseneres Auftreten der Wirtschaftskammer gegenüber der Bundesregierung. Die Kammer müsse wirtschaftsfeindlichen Maßnahmen der ÖVP-SPÖ-NEOS-Koalition sowie der zunehmenden Regulierung durch die Europäische Union stärker entgegentreten.

Die Betriebe erwarteten sich eine Interessenvertretung, die „kämpft, Klartext redet und entschlossen handelt“, heißt es vonseiten des Wirtschaftsverbands.

Auch Arbeiterkammer soll reformiert werden

Der Reformbedarf beschränke sich nach Ansicht der Freiheitlichen Wirtschaft nicht auf die WKÖ. Auch die Arbeiterkammer müsse einer grundlegenden Überprüfung unterzogen werden.

Hohe Einnahmen, beträchtliche Rücklagen und Überschüsse auf Kosten der Pflichtmitglieder würden zeigen, dass auch dort Modernisierungsbedarf bestehe. Zwangsmitgliedschaften, überdimensionierte Apparate und parteipolitisch geprägte Strukturen seien nicht mehr zeitgemäß.

„Wer von Reformen spricht, darf nicht bei der Wirtschaftskammer stehen bleiben. Auch die Arbeiterkammer muss endlich ehrlich überprüft werden. Österreich braucht moderne, effiziente Interessenvertretungen statt aufgeblähter und parteipolitisch geprägter Apparate“, so Hubmann abschließend.