Udo Dinglreiter, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, zeichnete im Gespräch mit dem Handelsblatt ein düsteres Bild der aktuellen Situation. Die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie sei inzwischen „dramatisch“.

Seit dem Jahr 2019 seien bereits rund 300.000 Stellen weggefallen. Die Zahl der Beschäftigten liege mittlerweile unter 3,8 Millionen. Doch damit könnte die Entwicklung noch längst nicht beendet sein. „Wir laufen Gefahr, weitere 300.000 zu verlieren“, erklärte Dinglreiter.

Investitionen wandern zunehmend ab

Besonders kritisch bewertet Gesamtmetall die jüngsten Entwicklungen bei internationalen Investitionen. Zwar nehmen chinesische Investitionen innerhalb der Europäischen Union zu, allerdings profitiere Deutschland davon immer weniger.

Auch die Autoindustrie warnt vor massiven Verlusten

Die alarmierenden Prognosen beschränken sich längst nicht mehr nur auf die Metall- und Elektrobranche. Bereits Anfang Mai hatte auch die deutsche Automobilindustrie vor einem deutlich größeren Arbeitsplatzabbau gewarnt als bislang angenommen.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), erklärte, nach aktuellen Berechnungen könnten bis zum Jahr 2035 insgesamt 225.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Das wären rund 35.000 mehr als in früheren Prognosen angenommen. Schon seit 2019 seien in der Branche rund 100.000 Stellen weggefallen.

„Deutschland steckt in einer gravierenden Standortkrise“

Als Hauptursache wurden die zunehmend unattraktiven Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland genannt.

Der Standort verliere spürbar an Wettbewerbsfähigkeit, erklärte VDA-Präsidentin Müller. Besonders belastend seien hohe Steuer- und Abgabenquoten, steigende Energiekosten, hohe Lohnkosten sowie eine ausufernde Bürokratie. „Deutschland steckt in einer anhaltenden, gravierenden Standortkrise“, so Müller.