Mit rund 1,5 Milliarden Einwohnern und einer jungen, kaufkräftiger werdenden Bevölkerung zählt Indien zu den attraktivsten Zukunftsmärkten weltweit. Das durchschnittliche Alter liegt bei lediglich 28 Jahren, während Einkommen und Konsumausgaben seit Jahren kontinuierlich steigen.

Vor diesem Hintergrund treiben die Europäische Union und Indien derzeit den Abschluss eines umfassenden Handelsabkommens voran. Nach derzeitiger Planung soll die Vereinbarung bereits im kommenden Jahr in Kraft treten und den Marktzugang für europäische Unternehmen erheblich erleichtern.

Massive Zollsenkungen sollen Exporte ankurbeln

Herzstück des Abkommens ist der Abbau zahlreicher Handelshemmnisse. Besonders deutlich fällt die Entlastung in der Automobilbranche aus: Die derzeitigen Importzölle von bis zu 110 Prozent sollen künftig auf 10 Prozent sinken.

Auch viele Industrieprodukte profitieren erheblich. Für Maschinen ist künftig ein zollfreier Export vorgesehen. Gleiches gilt für zahlreiche medizinische Geräte sowie chemische Erzeugnisse, deren Einfuhrabgaben bislang teilweise bei bis zu 44 Prozent lagen.

Die niedrigeren Handelsbarrieren sollen europäischen Unternehmen den Zugang zum indischen Markt deutlich erleichtern und neue Investitionen fördern.

Salzburger Unternehmen wittern großes Wachstumspotenzial

Für die exportorientierte Wirtschaft Salzburgs eröffnen sich dadurch erhebliche Chancen. Bereits heute sind rund 50 Unternehmen aus dem Bundesland auf dem indischen Markt aktiv oder beliefern Kunden vor Ort.

Beim Exportforum der Wirtschaftskammer Salzburg stand deshalb die Frage im Mittelpunkt, wie heimische Betriebe ihre Präsenz in Indien künftig weiter ausbauen können.

Zu den Unternehmen mit langjähriger Erfahrung zählt Commend International. Der Kommunikationsspezialist ist bereits seit über einem Jahrzehnt mit einer eigenen Niederlassung in Indien vertreten. Letztlich entscheidet jedoch das Verständnis für den lokalen Markt über den Geschäftserfolg. Wer in Indien langfristig erfolgreich sein möchte,

müsse Geduld mitbringen und sich intensiv auf kulturelle Besonderheiten einstellen, betonen Außenwirtschaftsexperten.

Der Aufbau belastbarer Geschäftsbeziehungen verlaufe oftmals anders als in Europa. Persönliche Kontakte, gegenseitiges Vertrauen und langfristiges Denken spielten im indischen Wirtschaftsleben eine zentrale Rolle.

Salzburgs Exportwirtschaft richtet den Blick auf neue Wachstumsmärkte

Die stärkere Orientierung nach Indien passt in eine breitere Entwicklung der Salzburger Exportwirtschaft. Nachdem die Ausfuhren in die USA zuletzt infolge des Zollkonflikts zeitweise um mehr als 40 Prozent zurückgegangen waren (erstes Halbjahr 2025), gewinnen alternative Absatzmärkte zunehmend an Bedeutung.

Bereits in den vergangenen Monaten konnten steigende Exporte in zahlreiche europäische Länder die Rückgänge im US-Geschäft teilweise ausgleichen. Auch Ungarn entwickelt sich nach Einschätzung der Wirtschaftskammer zu einem wichtigen Wachstumsmarkt.