Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung beim Goldpreis?
Wir bewegen uns aktuell auf historisch absolutem Spitzenniveau. Nach den phänomenalen Höchstständen zu Beginn des Jahres sehen wir derzeit im Juni eine völlig gesunde, marktübliche Konsolidierung. Die Feinunze notiert stabil im Bereich von rund 3.650 bis 3.700 Euro (bzw. über 4.100 US-Dollar). Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern das Fundament für den nächsten langfristigen Aufwärtszyklus. Gold sammelt gerade sprichwörtlich Kraft.
Welche Faktoren beeinflussen den Goldmarkt derzeit am stärksten?
Es ist ein Zusammenspiel aus drei massiven Kräften: Geopolitik & De-Dollarisierung: Die globalen Unsicherheiten zwingen Zentralbanken weltweit – allen voran in Asien –, ihre Devisenreserven im großen Stil weg vom US-Dollar und hin zu physischem Gold umzuschichten.
Zinspolitik: Die Märkte haben sich mit dem Zinsniveau arrangiert, die Erwartungshaltung langfristig stabiler oder leicht sinkender Realzinsen stützt das zinslose Edelmetall.
Die physische Nachfrage: Der asiatische Kontinent kontrolliert zunehmend das Preiszepter.
Sehen Sie derzeit mehr Chancen oder mehr Risiken für Investoren?
Eindeutig mehr Chancen, sofern man das Investment richtig versteht. Gold ist keine Spekulationsware für den schnellen Euro, sondern die ultimative Lebensversicherung für Ihr Vermögen.
Das größte Risiko für Anleger im Jahr 2026 ist es nach wie vor, kein physisches Eigentum außerhalb des Bankensystems zu besitzen. Wer im Zuge der aktuellen Konsolidierung Positionen aufbaut oder per Edelmetall-Sparplan nachkauft, nutzt den “Cost-Average-Effekt” (Durchschnittskosteneffekt) perfekt aus.
Wie schätzen Sie die Entwicklung von Silber im Vergleich zu Gold ein?

Silber ist und bleibt der “kleine, wilde Bruder” des Goldes. Aktuell sehen wir bei Silber eine hochspannende Phase: Die industrielle Nachfrage – getrieben von Photovoltaik, Elektromobilität und 5G-Technologie – trifft auf ein chronisches Defizit bei der Förderung. Silber ist im Vergleich zu Gold historisch immer noch unterbewertet. Wenn der Silberpreis anspringt, dann meistens rasanter und prozentual stärker als Gold. Für Anleger bedeutet das: Silber gehört als Performance-Bringer und zweites Standbein unbedingt in jedes ausgewogene Depot.
Welche Edelmetalle stehen aktuell besonders im Fokus und warum?
Neben Gold steht ganz klar Silber wegen der erwähnten fundamentalen Angebotsknappheit im Fokus. Bei Platin und Palladium sehen wir eine Stabilisierung auf niedrigerem Niveau – hier dominieren jedoch eher zyklische Industriefaktoren. Das Scheinwerferlicht gehört im Moment der strategischen Absicherung durch Gold und der industriellen Story von Silber.
Was sollten Anleger bei Investitionen in Gold und Edelmetalle derzeit beachten?
Drei goldene Regeln, die bei uns oberste Priorität haben:
Physischer Besitz vor Papier: Kaufen Sie keine Zertifikate, sondern echte Barren oder Münzen (wie den Wiener Philharmoniker oder das Känguru). Nur was Sie angreifen können, schützt Sie im Krisenfall.
Stückelung beachten: Kaufen Sie flexibel. Ein Mix aus großen Barren für die Rendite und kleineren Einheiten (z. B. 1 Unze oder 10 Gramm) für die Liquidität ist ideal.
Vertrauen und Handschlagqualität: Achten Sie auf zertifizierte Händler und zertifiziertes “grünes Gold” (LBMA-zertifiziert).
Wie lautet Ihre Prognose für Gold und Edelmetalle in den kommenden Monaten?
Wir gehen fest davon aus, dass die aktuelle Seitwärtsbewegung im Sommer die Basis für eine starke Dynamik im Herbst legt. Große internationale Bankhäuser prognostizieren für Ende 2026 Kurse, die in Richtung 4.500 bis 4.800 USD je Unze schielen. Ich halte diese Ziele aus fundamentaler Sicht für absolut realistisch. Wer jetzt die Ruhe im Markt nutzt, baut strategisch klug auf.
Welche Bedeutung hat die Nachfrage aus Asien derzeit für den Goldmarkt?
Asien – und hier sprechen wir primär von Indien und China – ist längst nicht mehr nur ein Beifahrer, sondern der Haupttreiber des globalen Goldmarktes. Die Zeiten, in denen der Goldpreis ausschließlich an den westlichen Terminbörsen in New York oder London gemacht wurde, sind vorbei. Wenn die asiatischen Zentralbanken kaufen und die Mittelschicht dort ihr Vermögen in Sachwerte umschichtet, bildet das einen extrem soliden Boden für den weltweiten Preis.
Was erwarten Sie für die zweite Jahreshälfte am Edelmetallmarkt?
Traditionell belebt sich das Geschäft im Spätsommer und Herbst deutlich. In Asien beginnt dann die Hochzeitssaison und die Festspielzeit (wie Diwali in Indien), was historisch zu einem massiven Anstieg der physischen Nachfrage führt. Gepaart mit den anhaltenden geopolitischen Spannungen erwarten wir eine Rückkehr der Volatilität (Preisschwankungen) – allerdings mit einem klaren Trend nach oben.
Goldinvest ist ja in Wien und Berlin, nun aber auch in Indien beheimatet. Warum Indien?
Das ist die logische Konsequenz aus unserer Philosophie. Indien ist der zweitgrößte Goldmarkt der Welt und hat eine Jahrtausende alte, tief verwurzelte Goldkultur. Gold ist dort kein Luxus, sondern integraler Bestandteil des familiären Vermögensaufbaus und der Vorsorge. Mit unserem Schritt nach Indien tragen wir der Verschiebung der wirtschaftlichen Kräfte Rechnung. Wir bringen europäische Sicherheitsstandards, höchste Produktqualität und unsere bewährte Handschlagqualität direkt in den dynamischsten Edelmetallmarkt der Welt. Wer die Zukunft des Goldes verstehen will, muss heute in Indien präsent sein. Für GOLDINVEST ist es die Brücke zwischen europäischer Tradition und asiatischer Wachstumskraft.

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