Schütz: Die Angebote sind grundverschieden, auch wenn es auf den ersten Blick ganz einfach aussieht. Beide Angebote haben eine Annahmeschwelle von 75 Prozent, die unter Umständen bei beiden nicht erreicht wird. Es haben jedoch beide Bieter die Möglichkeit, diese Schwelle noch zu reduzieren. Was die Angebote unterscheidet, ist der Angebotspreis und die strategische Ausrichtung über die Zukunft der Bank.
Exxpress: NLB bietet 29 Euro pro Aktie, die RBI 26,5 Euro. Warum sollte man nicht einfach das Angebot der NLB annehmen, das ja einiges höher ist?
Schütz: Das Wesentliche bei dieser Transaktion ist die Umsetzungswahrscheinlichkeit. Es gibt ja das Sprichwort: „Besser die Taube in der Hand als die Schwalbe am Dach.“ Meiner Meinung nach hat das Angebot der RBI eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit, umgesetzt zu werden. Ein Übernahmeangebot der NLB ist ja schon 2024 gescheitert.
Exxpress: Worauf stützt sich Ihre Meinung?
Schütz: Aufgrund der Tatsache, dass die Alta Pay Gruppe, die laut eigener Aussage über knapp unter 30 Prozent der Aktien direkt und über Finanzinstrumente verfügt, ihre Aktien an die RBI andienen wird, ist eine Umsetzung des Angebots der NLB schon einmal ausgeschlossen. Weiters gibt es berechtigte Zweifel, ob die kroatische Nationalbank und die Europäische Zentralbank zustimmen werden, dass NLB den kroatischen Teil der Addiko Bank erwerben lässt. Dieses Problem sehe ich bei einem Erwerb durch die RBI nicht, da diese laut Prospekt vorhat, den EU-Teil der Addiko zu behalten und den Nicht-EU-Teil an die Alta Pay Gruppe zu verkaufen. Durch diesen Carve-out kann sich unter Umständen noch eine Nachzahlung für die Addiko-Aktionäre ergeben, die zum Angebotspreis nachträglich dazukommen würde.
Exxpress: Das heißt, Sie werden Ihre Aktien auch an die RBI andienen?
Schütz: Ja, für mich ist es die logischste Lösung. Einerseits ist es die Empfehlung des Vorstands der Addiko Bank, der ich Folge leisten werde, zum anderen empfinde ich auch den Preis von 26,5 Euro als fair. Mit 23 Euro wäre ich nicht zufrieden gewesen. Aber das wesentliche Kriterium ist, dass es durch die RBI sehr wahrscheinlich ist, dass das Angebot angenommen und auch abgewickelt wird und die jahrelange Streiterei unter den fragmentierten Aktionären ein Ende hat. Das ist für die Bank selbst ganz wesentlich, als auch für die Bankenaufsicht und am Ende auch für alle Kunden der Bank.
Exxpress: Hat sich durch die Empfehlung des Managements etwas am Markt verändert?
Schütz: Ja, der Preis der Addiko-Aktie ist seither auf 26,5 Euro gesunken. Das heißt, dass der Markt antizipiert, dass das Angebot der RBI angenommen wird. Hätte der Markt eine andere Meinung, wäre der Kurs in Richtung 29 Euro gestiegen.

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