Der Generaldirektor des Weltluftfahrtverbands IATA, Willie Walsh, blickt mit Sorge auf die wirtschaftliche Situation vieler Fluggesellschaften. Nach seiner Einschätzung werden nicht alle Unternehmen die aktuelle Kostenwelle unbeschadet überstehen.

„Ich fürchte leider, dass einige Fluggesellschaften mit diesen hohen Treibstoffpreisen nur sehr schwer zurechtkommen werden.“

Walsh rechnet damit, dass manche Airlines den Betrieb einstellen müssen, während andere von größeren Wettbewerbern übernommen werden könnten. Eine weitere Konsolidierungswelle innerhalb der Branche erscheint aus Sicht des Verbands daher durchaus wahrscheinlich.

Treibstoffkosten steigen auf Rekordniveau

Hintergrund der Entwicklung sind vor allem die drastisch gestiegenen Kerosinpreise. Der Konflikt zwischen dem Iran auf der einen sowie den USA und Israel auf der anderen Seite hat wichtige Handelswege beeinträchtigt und die Versorgung mit Flugtreibstoff erschwert.

Nach Schätzungen der IATA wird Kerosin im Jahr 2026 durchschnittlich rund 152 Dollar pro Barrel kosten. Im Vorjahr lag der Durchschnittspreis noch bei etwa 90 Dollar.

Für die Luftfahrtbranche bedeutet dies einen enormen finanziellen Mehraufwand. Die weltweiten Ausgaben für Flugtreibstoff könnten laut Verband von rund 252 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf etwa 350 Milliarden Dollar im laufenden Jahr steigen.

Fluggesellschaften müssen immer mehr Geld für Treibstoff ausgeben

Durch die Preisexplosion wächst die Bedeutung der Treibstoffkosten innerhalb der Unternehmensbilanzen deutlich.

Lag ihr Anteil an den gesamten Betriebskosten bislang bei rund 25,4 %, könnte er nun auf mehr als 31 % steigen. Für viele Fluggesellschaften stellt Kerosin damit den größten einzelnen Kostenblock dar.

Besonders problematisch ist die Entwicklung deshalb, weil zahlreiche Airlines ihre Ticketpreise nur begrenzt erhöhen können, ohne Nachfrage zu verlieren.

Billigflieger geraten besonders unter Druck

Am stärksten betroffen sind nach Einschätzung der IATA vor allem Low-Cost-Airlines. Anders als klassische Netzwerkcarrier verfügen sie meist über weniger margenstarke Einnahmequellen.

Während große Fluggesellschaften zusätzliche Erlöse durch Business-Class-Angebote, Premiumservices oder umfangreiche Vielfliegerprogramme erzielen, sind Billigflieger stärker auf den reinen Ticketverkauf angewiesen.