Die Eskalation zwischen den USA und dem Iran schlägt jetzt voll auf die Energiemärkte durch. Im asiatischen Handel kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent (Lieferung September) am Montag gegen 3.00 Uhr MESZ 90,50 Dollar – ein Plus von 2,72 Prozent. Zwischenzeitlich sprang der Preis sogar über die Marke von 91 Dollar, so hoch wie zuletzt im Juni. Die US-Sorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 2,39 Prozent auf 84,46 Dollar.

Der Grund für die Nervosität liegt in der Straße von Hormuz – jener Meerenge, durch die üblicherweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt. Dort ist der Schiffsverkehr am Wochenende dramatisch eingebrochen: Laut Daten des Finanzdatenanbieters LSEG passierten am Sonntag nur noch vier Schiffe die Passage, am Samstag waren es acht gewesen.

Tanker in Flammen – Teheran droht offen

Beide Kriegsparteien nehmen inzwischen gezielt die Schifffahrt ins Visier: Die US-Regierung setzt nach eigenen Angaben eine Seeblockade vor iranischen Häfen durch, der Iran wiederum geht gegen Schiffe vor, die aus seiner Sicht die Regeln in der Meerenge verletzen.

Wie brenzlig die Lage ist, zeigte sich in der Nacht auf Montag: Die britische Schifffahrts-Sicherheitsbehörde UKMTO meldete ein brennendes Schiff nahe dem Oman, die Ursache war zunächst unklar. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, zwei Öltanker seien auf der Südroute gesprengt worden – und legten eine unverhohlene Drohung nach: Solange die „US-Aggression” andauere, sei die Meerenge weder für petrochemische Produkte noch für „einen einzigen Tropfen Öl und Gas” sicher.

LNG-Tanker stauen sich im Golf

Auch beim Flüssiggas wird es eng: Seit Donnerstag wurde kein einziger LNG-Tanker mehr bei der Durchfahrt registriert – wobei manche Schiffe ihre Transponder abschalten, um ihre Route zu verschleiern. Die Produktion in Katar und den Emiraten läuft laut den Analysten von S&P Global zwar relativ stabil weiter, doch das Gas stapelt sich zunehmend auf wartenden Schiffen: Mitte Juli lagerten allein auf sieben beladenen katarischen Tankern geschätzt 570.000 Tonnen, insgesamt liegen Schiffe mit einer Kapazität von fast 1,9 Millionen Tonnen in der Region.

Sollte sich die faktische Blockade in den kommenden Wochen lockern, könnte diese schwimmende Reserve laut S&P Global für einen raschen Export-Schub sorgen. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus.