Die Lebensmittelpreise steigen – und ein Ende ist nicht in Sicht. Fairtrade-Österreich-Chef Hartwig Kirner schlägt im Interview mit dem Kurier Alarm: „Das kann wirklich bitter werden”, sagt er mit Blick auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln in diesem Jahr. Die geopolitischen Unsicherheiten seien „Gift für die Handelsströme” – und die Sperre der Straße von Hormuz macht die Lage noch schwieriger. Energiepreise sind gestiegen, Transportkosten klettern nach oben, und ein Drittel der weltweiten Düngemittel wird im Nahen Osten produziert – und fehlt derzeit am Markt. „Die Bauern brauchen den Dünger und sie müssen jetzt schon viel mehr dafür bezahlen”, so Kirner. Für österreichische Konsumenten bedeutet das: Weitere Preissteigerungen im Supermarkt.

„Das kann wirklich bitter werden“

Die Warnung von Hartwig Kirner fällt deutlich aus. „Das kann wirklich bitter werden“, sagt der Fairtrade-Österreich-Chef mit Blick auf die kommenden Monate. Die geopolitischen Unsicherheiten seien Gift für die Handelsströme.

Besonders problematisch sei aktuell die Sperre der Straße von Hormus. Dadurch steigen laut Kirner nicht nur die Energiepreise, sondern auch die Kosten für Transport und Verpackungsmaterialien. Gleichzeitig verschärft sich die Lage bei Düngemitteln: Rund ein Drittel der weltweiten Produktion stammt aus dem Nahen Osten. „Die sind derzeit blockiert und fehlen am Markt“, erklärt Kirner gegenüber dem Kurier.

Die Folgen könnten auch Österreich direkt treffen. „Die Bauern brauchen den Dünger und sie müssen jetzt schon viel mehr dafür bezahlen“, sagt Kirner. Gerade für die Landwirtschaft könne das zu einem massiven Problem werden.

Fairtrade trotz Krisen weiter gefragt

Trotz Inflation, globaler Krisen und steigender Rohstoffpreise bleibt die Nachfrage nach Fairtrade-Produkten hoch. Insgesamt wurden in Österreich im vergangenen Jahr 796 Millionen Euro mit fair gehandelten Produkten umgesetzt – ein Plus von fast 13 Prozent.

Die Organisation vergibt das Fairtrade-Gütesiegel und kontrolliert Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen und Umweltschutz. Produzenten erhalten dabei garantierte Mindestpreise sowie zusätzliche Fairtrade-Prämien. Insgesamt wurden dadurch 89,3 Millionen Euro an Produzentenorganisationen ausgeschüttet.

Vor allem bei Kakao und Kaffee haben sich die Rohstoffpreise zuletzt drastisch verteuert. Laut Kirner haben sich die Preise für Kakao fast verfünffacht, Kaffee wurde etwa doppelt so teuer. Dennoch blieb die Nachfrage stabil. Bei Kakao gab es sogar ein Mengenwachstum von 3,7 Prozent. Beim Fairtrade-Kaffee ging der Absatz zwar um mehr als sechs Prozent zurück, laut Kirner liege das aber daran, dass ein Partnerunternehmen auf ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm umgestellt habe. Bestehende Fairtrade-Kaffeemarken hätten sich hingegen weiterhin gut entwickelt.

Besonders stark zulegten Rosen mit plus 11,3 Prozent und Bananen mit plus 6,9 Prozent. In beiden Bereichen hält Fairtrade in Österreich bereits einen Marktanteil von rund 36 Prozent.

Supermärkte dominieren den Verkauf

Der mit Abstand wichtigste Absatzkanal bleiben die heimischen Supermärkte. Mehr als 90 Prozent aller Fairtrade-Produkte werden dort verkauft. Laut Kirner sei man auch bei den stark gewachsenen Eigenmarken der Handelsketten inzwischen gut vertreten.

Deutlich kleiner fällt dagegen der Anteil von Gastronomie und Fachhandel aus. Dort bewegen sich die Verkäufe nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Wachstumspotenzial sieht Fairtrade vor allem innerhalb bestehender Produktgruppen. Neue Warengruppen seien derzeit nicht geplant. Stattdessen wolle man künftig stärker die „pragmatische Mitte der Gesellschaft“ erreichen. „Da muss man ein bisschen klarer und nutzenorientierter kommunizieren“, so Kirner.

Neues „Greenwashing-Verbot“ könnte Fairtrade stärken

Zusätzlichen Rückenwind erwartet sich die Organisation von der neuen EMPCO-Richtlinie der EU. Die Regelung soll ab September verpflichtend gelten und Konsumenten besser vor Greenwashing und irreführenden Umweltversprechen schützen. Pauschale Aussagen wie „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“ sollen künftig nur noch erlaubt sein, wenn sie belegbar sind. „Viele Schmähs, die erzählt wurden, sind dann nicht mehr möglich“, sagt Kirner.

Auch Fairtrade müsse zwar Werbeaussagen, Verpackungstexte und Websites anpassen. Insgesamt erwartet man aber Vorteile durch die neuen Regeln. „Wenn jemand sagt, dass er faire Bedingungen umsetzt, dann braucht er einen Beleg durch eine externe Zertifizierung und eine Möglichkeit dafür ist Fairtrade“, erklärt Kirner.