Nach aktuellen Daten des Alpenländischen Kreditorenverbandes (AKV) und des KSV1870 mussten in Kärnten seit Jahresbeginn 209 Unternehmen Insolvenz anmelden. Gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres entspricht das einem Anstieg von rund 16 Prozent.

Immer mehr Verfahren scheitern bereits am Start

Besonders auffällig ist die steigende Zahl jener Unternehmen, die nicht einmal mehr die finanziellen Voraussetzungen für ein Insolvenzverfahren erfüllen.

In insgesamt 99 Fällen konnte laut AKV kein reguläres Verfahren eröffnet werden. Der Grund: Den betroffenen Firmen fehlen die notwendigen Mittel. Für eine Insolvenzeröffnung sind in der Regel rund 4.000 Euro erforderlich.

Bau, Handel und Gastronomie besonders betroffen

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verteilen sich nicht gleichmäßig über alle Branchen. Besonders häufig rutschten zuletzt Betriebe aus dem Baugewerbe, dem Handel sowie der Gastronomie und Beherbergung in die Pleite.

Diese drei Wirtschaftsbereiche vereinen nach Angaben des KSV1870 seit Jahresbeginn knapp 40 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen in Kärnten auf sich.

Schuldenlast sinkt, Hunderte Arbeitsplätze betroffen

Die bislang bekannten Verbindlichkeiten der insolventen Unternehmen belaufen sich auf rund 105 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies zwar einem Rückgang von etwa 39 Prozent, dennoch bleiben die Auswirkungen auf Beschäftigte erheblich.

Nach Angaben des KSV1870 waren seit Jahresbeginn rund 590 Arbeitnehmer von Insolvenzverfahren betroffen. Damit liegt die Zahl zwar unter dem Vorjahreswert, die wirtschaftlichen Folgen für die Betroffenen bleiben jedoch beträchtlich.

Locher-Insolvenz als Symbolbild

Ein prominentes Unternehmen, das vor kurzem den Weg ans Insolvenzgericht antreten musste, war die Locher GmbH. Das Großhandelsunternehmen war seit 2002 am Markt tätig und spezialisierte sich auf den Vertrieb von Malerwerkzeugen und Zubehör. Anfang Juni war das Unternehmen dann insolvent gegangen.

Nach Angaben des AKV spielte neben dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld vor allem der Verlust eines zentralen Lieferanten eine entscheidende Rolle. Das Unternehmen bezog einen Großteil seines Sortiments über diesen Partner. Die entstandenen Lücken konnten anschließend nicht ausreichend durch alternative Lieferanten geschlossen werden.