Als Javier Milei im Dezember 2023 sein Amt übernahm, steckte Argentinien in einer schweren Wirtschafts- und Währungskrise. Der Staat gab dauerhaft mehr aus, als er einnahm. Die Zentralbank finanzierte Defizite mit neuem Geld, der Peso verlor an Wert und die Preise explodierten.
Milei versprach keinen sanften Übergang. Er kürzte Subventionen, strich Ausgaben, verkleinerte den Staatsapparat und machte den ausgeglichenen Haushalt zum Anker seiner Politik.
Gut zweieinhalb Jahre später haben sich mehrere zentrale Kennzahlen deutlich verbessert.
Die Inflation ist massiv gesunken
Im Dezember 2023 stiegen die Verbraucherpreise innerhalb eines einzigen Monats um 25,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr betrug die Teuerung damals 211,4 Prozent.
Im Juni 2026 lag die monatliche Inflation nur noch bei 1,9 Prozent. Die Jahresrate sank auf 33,5 Prozent. Lebensmittel und Dienstleistungen verteuern sich also weiterhin, allerdings wesentlich langsamer. Damit hat Milei den Inflationsbrand deutlich eingedämmt. Das ist einer seiner sichtbarsten Erfolge.
Aus dem Defizit wurde ein Überschuss
Noch deutlicher ist die Wende beim Staatshaushalt. Argentiniens nationaler öffentlicher Sektor erzielte im ersten Halbjahr 2026 selbst nach den Zinszahlungen einen Überschuss von rund 0,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Vor den Zinsen lag das Plus bei ungefähr 0,6 Prozent.
Österreich erwartet für 2026 hingegen ein gesamtstaatliches Defizit von 4,2 Prozent des BIP – ein Minus von rund 22,2 Milliarden Euro. Auch ohne die Zinsen für frühere Schulden bleibt ein erhebliches Loch.
Die Richtung könnte gegensätzlicher kaum sein: Argentinien schreibt nach Zinsen ein kleines Plus, Österreich plant ein Minus von 4,2 Prozent.
Mehr Wohnungen, real niedrigere Mieten
Auch auf dem Mietmarkt zeigte die Deregulierung beachtliche Wirkung. Während Österreich bei regulierten Mieten auf Preisbremsen setzte, ging Milei den entgegengesetzten Weg: Ende 2023 hob er die bisherige Mietgesetzgebung für neue Verträge weitgehend auf.
Bereits im folgenden Monat sprang das Angebot an klassischen Mietwohnungen in Buenos Aires um 62 Prozent. Anfang 2026 war es noch immer fast dreimal so groß wie beim Tiefstand Anfang 2023.
Die ausgeschriebenen Mieten stiegen in Peso zwar weiter, jedoch langsamer als das allgemeine Preisniveau. Seit Ende 2023 sanken die Angebotsmieten inflationsbereinigt um rund 23 Prozent.
Die Wirtschaft wächst wieder
Mileis Gegner warnten, seine Sparpolitik werde Argentinien in eine dauerhafte Depression stürzen. Zunächst brach die Wirtschaft tatsächlich ein. Inzwischen hat sie sich jedoch erholt.
Im ersten Quartal 2026 lag das reale Bruttoinlandsprodukt um 2,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Exporte stiegen um 9,8 Prozent, der private Konsum um 2,7 Prozent. Auch gegenüber dem ersten Quartal 2023, als Milei noch nicht im Amt war, fällt die Bilanz extrem positiv aus: Die Wirtschaftsleistung lag real um rund 3 Prozent höher, die Exporte um etwa 47 Prozent und der private Konsum um knapp 7 Prozent.
Die Erholung erfasst nicht alle Bereiche. Die Investitionen lagen um 11,6 Prozent unter dem Vorjahreswert, das verarbeitende Gewerbe schrumpfte um 1,7 Prozent. Milei hat Argentinien also noch nicht in eine gleichmäßig boomende Musterwirtschaft verwandelt. Entscheidend ist dennoch: Die von seinen Gegnern vorhergesagte dauerhafte Abwärtsspirale blieb aus. Die Gesamtwirtschaft wächst wieder.
Auch die Armut ging wieder zurück
Die sozialen Kosten der ersten Reformphase waren enorm. Im ersten Halbjahr 2024 stieg die Armutsquote auf 52,9 Prozent. Millionen Argentinier verloren zunächst zusätzlich an Kaufkraft.
Danach kehrte sich die Entwicklung um. Im zweiten Halbjahr 2025 lebten noch 28,2 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die extreme Armut sank auf 6,3 Prozent.
Tatsächlich verbesserten sich die Armutszahlen nach dem anfänglichen sozialen Schock deutlich. Das spricht dagegen, dass die Stabilisierung ausschließlich Banken, Investoren und Exporteuren zugute kam, wie Mileis Gegner zuerst prognostizierten.
Was die Österreichische Schule damit zu tun hat
Milei beruft sich ausdrücklich auf die österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek. Ihre wirtschaftliche Botschaft beinhaltet stark verkürzt unter anderem folgende drei Gedanken:
Erstens: Mehr Geld bedeutet nicht automatisch mehr Wohlstand. Der Staat kann Geld schaffen oder Schulden aufnehmen. Dadurch entstehen aber noch keine zusätzlichen Wohnungen, Maschinen, Lebensmittel oder Arbeitsstunden.
Zweitens: Preise vermitteln Informationen. Sie zeigen, welche Güter knapp sind und wo Nachfrage besteht. Staatlich gedrückte Preise, künstliche Wechselkurse und Dauersubventionen können Knappheit zeitweise verdecken. Beseitigen können sie sie nicht.
Drittens: Defizite verschieben die Rechnung. Werden sie mit neuem Geld finanziert, bezahlen die Bürger über Inflation. Werden sie mit Krediten finanziert, zahlen sie später über Steuern, Zinsen oder geringere staatliche Leistungen.
Argentinien hatte alle drei Grundsätze über Jahrzehnte missachtet. Mileis Kurs bestand vor allem darin, die Rechnung nicht länger zu verstecken.
Österreich könnte dazulernen
Österreich ist nicht Argentinien. Es gibt keine Hyperinflation, keinen zusammenbrechenden Peso und keine unmittelbar drohende Staatspleite. Doch gerade deshalb wäre jetzt der richtige Zeitpunkt für Reformen – und da könnte Wien von Buenos Aires lernen.
Ende März 2026 lagen Österreichs Staatsschulden bei 431,4 Milliarden Euro. Die Schuldenquote betrug 83,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für 2026 erwartet das Finanzministerium weiterhin ein Defizit von 4,2 Prozent.
Österreich hat dabei kein Einnahmenproblem im klassischen Sinn. Die österreichischen Staatseinnahmen entsprechen bereits mehr als der Hälfte der gesamten Wirtschaftsleistung. Trotzdem reichen die Einnahmen nicht für alle beschlossenen Ausgaben. Das eigentliche Problem sind dauerhafte Versprechen ohne dauerhafte Finanzierung.
Die erste Lehre lautet daher: Neue Dauerausgaben dürfen nur beschlossen werden, wenn ihre Finanzierung ebenfalls dauerhaft gesichert ist.
Die zweite: Österreich sollte zunächst seine laufenden Einnahmen und Ausgaben ohne Zinslast ins Gleichgewicht bringen. Ein ausgeglichener Primärhaushalt würde verhindern, dass für den gewöhnlichen Staatsbetrieb jedes Jahr neue Schulden aufgenommen werden müssen.
Die dritte: Allgemeine Entlastungen sind meist sinnvoller als immer neue Sonderförderungen. Einfachere Steuern, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie helfen der gesamten Wirtschaft. Förderungen helfen oft vor allem jenen, die sich im Förderdschungel am besten auskennen.
Die vierte: Soziale Unterstützung sollte sich stärker auf Menschen konzentrieren, die sie tatsächlich benötigen. Gezielte Hilfe ist etwas anderes als die politische Gießkanne.
Eine erkennbare Wende
Mileis bisheriges Ergebnis ist bemerkenswert: Die monatliche Inflation ist von 25,5 auf 1,9 Prozent gefallen. Der nationale öffentliche Sektor schreibt einen Überschuss. Die Wirtschaft wächst wieder. Die zuletzt veröffentlichten Armutszahlen liegen weit unter ihrem Höchststand.
Österreich könnte sich angesichts seines Ausgabenproblems mittlerweile ebenfalls eine Kettensäge zulegen. Näher besehen würde aber schon ein Taschenrechner helfen.

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