Der Anlass ist feierlich: Österreich und China begehen heuer 55 Jahre diplomatische sowie 60 Jahre wirtschaftliche Beziehungen. Hinter den Kulissen geht es aber um harte Interessen. China ist Österreichs drittwichtigster Handelspartner, gleichzeitig wächst das Handelsdefizit immer weiter. Während heimische Firmen Waren im Wert von rund 17 Milliarden Euro aus China beziehen, werden nur Güter im Wert von fünf Milliarden Euro exportiert, schreibt der Kurier. Viele Unternehmen klagen zudem über schwierige Marktbedingungen und die Gefahr von Technologie-Diebstahl.
Wirtschaft, KI und heikle Politik
Handlungsbedarf ist also gegeben. In Shanghai stehen zunächst Treffen mit österreichischen Unternehmen und chinesischen Technologiekonzernen auf dem Programm. Auch Besuche in Forschungszentren für Künstliche Intelligenz und Robotik sind geplant. Für viele heimische Firmen bleibt China trotz aller Risiken ein unverzichtbarer Milliardenmarkt.
Schwierige Thematiken
Politisch wird es dann in Peking. Dort trifft Meinl-Reisinger ihren chinesischen Amtskollegen Wang Yi. Dabei dürften auch unangenehme Themen auf den Tisch kommen. Österreich erwartet von China mehr Einfluss auf Russland, um Bewegung in den Ukraine-Krieg zu bringen. Gleichzeitig wird Wien ab 2027 im UNO-Sicherheitsrat sitzen – ein guter Draht nach Peking gewinnt daher zusätzlich an Bedeutung.
Chinesische Charmeoffensive
Der Besuch ist Teil einer größeren diplomatischen Offensive Chinas. Allein heuer haben bereits zahlreiche Staats- und Regierungschefs Peking besucht. Auch Österreich schickt eine Reihe prominenter Politiker ins Reich der Mitte. Nach Meinl-Reisinger werden unter anderem Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und später Bundeskanzler Christian Stocker erwartet. Letzterer könnte sogar von Chinas Staatschef Xi Jinping persönlich empfangen werden. Für Meinl-Reisinger wird die Reise damit zur Gratwanderung: wirtschaftliche Chancen nutzen, politische Konflikte ansprechen –aber dabei die Beziehungen zu einer Weltmacht nicht gefährden.

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