Die deutsche Bundesregierung will ihre Vorsorge für mögliche Gas-Versorgungsengpässe deutlich ausbauen. Nach einem innerhalb der Regierung abgestimmten Konzept soll erstmals eine dauerhafte staatliche Erdgasreserve aufgebaut werden, um Deutschland auch bei schweren Importausfällen handlungsfähig zu halten.
Nach den bisherigen Plänen soll die strategische Reserve rund 24 Terawattstunden Erdgas umfassen. Das entspricht etwa zehn Prozent der gesamten deutschen Gasspeicherkapazität und soll ausreichen, um einen rund 30-tägigen Ausfall der wichtigsten Importinfrastruktur zu überbrücken.
Um starke Preisschwankungen auf dem Gasmarkt zu vermeiden, soll die Beschaffung der Gasmengen über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren erfolgen. Die erste Einlagerung ist derzeit für den Sommer 2027 vorgesehen.
Im Ernstfall würde die Bundesnetzagentur entscheiden, wann und in welchem Umfang auf die strategischen Reserven zurückgegriffen wird.
Kosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro – Verbraucher müssen dafür aufkommen
Der Aufbau der neuen Reserve dürfte erhebliche Summen verschlingen. Nach Schätzungen belaufen sich allein die Beschaffungskosten auf rund 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen laufende Betriebs- und Verwaltungskosten von jährlich rund 150 bis 180 Millionen Euro.
Die Finanzierung soll allerdings nicht über den Bundeshaushalt erfolgen. Stattdessen plant die Bundesregierung eine neue Umlage, die auf den Gasverbrauch erhoben wird. Diese soll nach Angaben des Wirtschaftsministeriums zwar niedriger ausfallen als die Ende 2025 auslaufende Gasspeicherumlage, bedeutet für Verbraucher jedoch zusätzliche Belastungen.
Haushalte müssen mit Mehrkosten rechnen
Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox würde ein Einfamilienhaus mit einem jährlichen Gasverbrauch von rund 20.000 Kilowattstunden allein für den Aufbau der neuen Reserve zusätzliche Kosten von etwa 42 Euro tragen. Für den dauerhaften Betrieb kämen anschließend weitere rund fünf Euro pro Jahr hinzu.
Wie hoch die tatsächliche Umlage letztlich ausfallen wird, hängt jedoch vom endgültigen Gesetzesmodell sowie vom gesamten Gasverbrauch in Deutschland ab.
Auch Österreich setzt weiter auf strategische Gasreserven
Mit seinem Vorhaben steht Deutschland nicht allein. Österreich hält an seiner strategischen Erdgasreserve fest und verlängert diese über den ursprünglich vorgesehenen Zeitraum hinaus.
Der Hauptausschuss des Nationalrats hat einer entsprechenden Verordnung bereits einstimmig zugestimmt. Damit bleibt die strategische Gasreserve mit einem Umfang von 20 Terawattstunden bis zum 1. April 2029 bestehen. Ursprünglich wäre die Regelung bereits 2027 ausgelaufen.
Die österreichische Bundesregierung begründet die Verlängerung mit anhaltenden Risiken auf den internationalen Energiemärkten. Lieferunterbrechungen, geopolitische Spannungen oder starke Marktverwerfungen könnten auch künftig erhebliche Auswirkungen auf die Gasversorgung haben. Für die Verlängerung bis 2029 kalkuliert die Regierung mit Gesamtkosten von rund 240 Millionen Euro.

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