Am 26. Juni soll das Unternehmen im Segment „standard market“ der Wiener Börse notiert werden. Der Ausgabepreis wurde mit 760 Euro je Aktie festgelegt, das Kapitalmarktprospekt erhielt bereits die Genehmigung der Finanzmarktaufsicht (FMA).

Alternative zu klassischen Mini-AKW

Weltweit erlebt die Kernenergie derzeit eine Renaissance. Besonders sogenannte Small Modular Reactors (SMR) gelten als Hoffnungsträger für eine stabile und CO₂-arme Energieversorgung. Viele dieser Konzepte basieren jedoch auf verkleinerten Varianten klassischer Uran-Reaktoren.

Emerald Horizon verfolgt einen anderen Ansatz. Wie Die Presse berichtete, setzt das Unternehmen auf Thorium-Reaktoren, bei denen die Energiegewinnung durch den Beschuss von Thorium mit Neutronen erfolgt. Dadurch soll das Risiko einer unkontrollierten Kettenreaktion deutlich reduziert werden. Zudem entstehen geringere Mengen langlebigen radioaktiven Abfalls.

Die Technologie gilt zwar als vielversprechend, wurde bisher jedoch weltweit noch nicht kommerziell eingesetzt. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, dass der Brennstoff in geschmolzenem Salz zirkuliert, das extrem hohe Temperaturen erreicht und besonders widerstandsfähige Materialien erfordert.

Reaktoren im Containerformat

Die Vision der Grazer Entwickler sieht kompakte Energieeinheiten vor, die ungefähr die Größe eines 40-Fuß-Containers haben. Jeder Reaktor soll rund zehn Megawatt elektrische Leistung erzeugen und zusätzlich Prozesswärme bereitstellen.

Anwendungsgebiete sehen die Entwickler vor allem in der Industrie, bei großen Ladeparks für Elektrofahrzeuge sowie in Regionen mit begrenzter Energieinfrastruktur. Auch für den Einsatz auf Schiffen oder Inseln werden die Systeme als potenzielle Lösung betrachtet. Mehrere Module könnten bei höherem Energiebedarf miteinander kombiniert werden.

Kooperationen sollen Entwicklung beschleunigen

Bis Ende des Jahrzehnts soll die Technologie erstmals einsatzbereit sein. Unterstützung erhält Emerald Horizon dabei von internationalen Partnern. Für die Entwicklung arbeitet das Unternehmen unter anderem mit dem niederländischen Industriekonzern VDL zusammen, der über umfangreiche Erfahrung im Anlagenbau verfügt.

Bereits heute vermarktet das Unternehmen mit „DUALstore PLUS“ ein Energiespeichersystem, das Batterie- und Wärmespeichertechnologie kombiniert und mithilfe künstlicher Intelligenz gesteuert wird. Die Speicher- und Reaktorsparte werden unter der Marke „SMRX“ gebündelt.

Verluste als Teil der Wachstumsstrategie

Finanziell befindet sich Emerald Horizon noch in einer klassischen Start-up-Phase. Nach Unternehmensangaben lag der Verlust im Geschäftsjahr 2025 bei rund 768.000 Euro. Die Mittel flossen vor allem in Forschung und Entwicklung. Auch in den kommenden Jahren rechnet das Management mit negativen Ergebnissen, solange die Technologie weiterentwickelt und zur Marktreife gebracht wird.

Die Finanzierung soll künftig nicht allein über Eigenkapital erfolgen. Geplant ist ein Modell, bei dem Kunden die Energie beziehen, ohne die Anlagen selbst erwerben zu müssen. Die Reaktoren sollen über langfristige Verträge betrieben und über Fremdkapital finanziert werden.

Prominente Unterstützung aus Politik und Wirtschaft

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die personelle Besetzung des Unternehmens. Seit dem Vorjahr ist der ehemalige OeNB-Gouverneur Robert Holzmann als Anteilseigner und Verantwortlicher für internationale Beziehungen an Bord. Anfang 2026 wechselte zudem Ex-Infrastrukturminister Norbert Hofer als Vice President for Strategic Communications zu Emerald Horizon.

Mit dem Börsengang will das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Transparenz erhöhen und die Grundlage für weiteres Wachstum schaffen. Ob die Grazer tatsächlich zu den Pionieren einer neuen Generation von Mini-Atomkraftwerken werden, dürfte sich in den kommenden Jahren entscheiden.