Nach rund zwei Wochen hat die US-Regierung die Beschränkungen für eines der modernsten KI-Modelle von Anthropic teilweise wieder aufgehoben.

Handelsminister Howard Lutnick teilte mit, dass das Modell „Claude Mythos 5“ künftig wieder von einer begrenzten Zahl sogenannter vertrauenswürdiger Partner genutzt werden darf. Nach Angaben aus US-Regierungskreisen handelt es sich dabei vor allem um Unternehmen aus dem Bereich der Cybersicherheit.

Sicherheitsbedenken führten zum Stopp

Auslöser der Sperre waren Sicherheitsbedenken der US-Regierung. Washington hatte Anthropic angewiesen, den Zugriff ausländischer Staatsangehöriger auf die Modelle „Mythos 5“ und „Fable 5“ zu unterbinden.

Da sich diese Vorgabe technisch kurzfristig nicht umsetzen ließ, entschied sich Anthropic dazu, beide Modelle vollständig vom Netz zu nehmen.

In den vergangenen zwei Wochen arbeitete das Unternehmen nach eigenen Angaben eng mit den zuständigen Behörden zusammen, um zusätzliche Schutzmechanismen zu entwickeln. Laut Handelsminister Lutnick seien dabei erhebliche Fortschritte erzielt worden, wodurch nun zumindest eine eingeschränkte Freigabe möglich geworden sei.

„Fable 5“ bleibt weiterhin gesperrt

Während „Mythos 5“ nun wieder ausgewählten Partnern zur Verfügung steht, bleibt das zweite Spitzenmodell „Fable 5“, dass für private Nutzer verfügbar sein sollte, weiterhin vollständig gesperrt.

Einen konkreten Termin für eine Freigabe nannten weder Anthropic noch die US-Regierung. Nach Informationen aus Regierungskreisen wird allerdings geprüft.

Angst vor militärischer Nutzung

Hinter den Eingriffen stehen vor allem geopolitische Sicherheitsüberlegungen. Nach Einschätzung der US-Regierung verfügen die neuen Modelle über Fähigkeiten, die weit über die eines klassischen Chatbots hinausgehen. Sie sollen insbesondere Sicherheitslücken in Software außergewöhnlich schnell erkennen, analysieren und teilweise sogar ausnutzen können.

Washington befürchtet deshalb, dass Nachrichtendienste oder militärische Einrichtungen aus Staaten wie China oder Russland diese Fähigkeiten missbrauchen könnten.

Auch OpenAI muss den Rollout bremsen

Die verschärfte Kontrolle betrifft inzwischen offenbar nicht mehr nur Anthropic. Nach aktuellen Medienberichten hat die US-Regierung nun auch OpenAI dazu aufgefordert, die Veröffentlichung seiner kommenden Modellgeneration GPT-5.6 zunächst deutlich einzuschränken.

Demnach soll das neue Modell vorerst lediglich einem kleinen Kreis von rund 20 ausgewählten Partnerunternehmen zur Verfügung gestellt werden. Eine breite Veröffentlichung für die Öffentlichkeit ist zunächst nicht vorgesehen.

OpenAI hatte zuvor die neue Modellfamilie vorgestellt, die aus den Varianten Sol, Terra und Luna besteht. Während Sol als leistungsstärkstes Modell gilt, richtet sich Terra an alltägliche Anwendungen und Luna soll besonders schnell und kosteneffizient arbeiten.