In der dalmatinischen Ortschaft Brist werden natürliche Kieselstrände offenbar mit maschinell erzeugtem Schotter und Schlamm aufgeschüttet – sehr zum Ärger von Einheimischen, Touristen und Naturschützern.

Schwere Maschinen am Traumstrand

Fotos und Videos zeigen schwere Baumaschinen direkt am Ufer. Die über Jahrhunderte vom Meer geformten, glatten Kieselsteine verschwinden dabei zunehmend unter grobem Schottermaterial. Wie der Münchner Merkur unter Berufung auf das kroatische Portal morski.hr berichtete, werfen Kritiker den Behörden vor, die Küstenlandschaft dauerhaft zu beschädigen und das empfindliche Ökosystem unter Wasser zu zerstören.

Besonders groß ist die Empörung bei Anrainern. Ein Leser sprach von einer „Verwüstung der Küste“, weil natürliche Strukturen durch künstliches Material ersetzt würden. Auch Urlauber zeigen sich schockiert. Eine Besucherin schilderte, der Meeresboden werde „jedes Jahr aufs Neue zerstört“, sobald die Bagger anrücken.

Tourismusdruck an der Adria

Hintergrund der Maßnahmen dürfte vor allem der enorme touristische Druck an der Makarska Riviera sein. Die Region zählt zu den beliebtesten Urlaubsdestinationen Kroatiens, in der Hochsaison drängen sich tausende Badegäste auf engem Raum. Einer Studie aus dem Jahr 2023 zufolge stehen Urlaubern dort teilweise nur etwas mehr als ein Quadratmeter Strandfläche pro Person zur Verfügung – empfohlen werden mindestens fünf Quadratmeter.

Um zusätzliche Liegeflächen zu schaffen, werden vielerorts Strände künstlich verbreitert oder sogar komplett neu angelegt. Teilweise entstehen dabei künstliche Landzungen direkt im Meer. Kritiker warnen jedoch, dass genau solche Eingriffe langfristig mehr Schaden anrichten könnten als sie Nutzen bringen.

Warnsignal aus Italien

Die Debatte erinnert an ähnliche Entwicklungen in Italien. Dort kämpfen zahlreiche Küstenregionen bereits mit massiver Erosion und dem Verlust ganzer Strandabschnitte. Laut einem Bericht der Universität La Sapienza in Rom könnten bis 2050 rund 20 Prozent der italienischen Strände verschwinden. Behörden reagieren inzwischen mit Schutzbauten, künstlichen Aufschüttungen und Unterwasserbarrieren gegen Sturmfluten und den steigenden Meeresspiegel.

Gerade diese Beispiele zeigen jedoch auch die Risiken technischer Eingriffe an Küsten. Experten warnen seit Jahren davor, dass künstliche Veränderungen den natürlichen Sedimenttransport stören und dadurch benachbarte Strände zusätzlich destabilisieren können.

An der kroatischen Adria wächst deshalb die Sorge, dass kurzfristige Maßnahmen für mehr Platz am Strand langfristig das zerstören könnten, was die Region überhaupt erst so attraktiv gemacht hat: ihre ursprüngliche Natur.