Die Auswirkungen der Krise sind inzwischen erheblich. Laut Daten des Informationsportals Lloyd’s List und internationalen Schifffahrtsanalysen passieren aktuell nur noch fünf bis sieben Schiffe täglich die Straße von Hormus. Unter normalen Bedingungen bewegten sich dort üblicherweise zwischen 140 und 178 Schiffe pro Tag.

Mehr als 230 Öltanker sitzen fest oder mussten ihre Routen ändern. Insgesamt wurden bereits mindestens 37 Schiffe umgeleitet.

Die wirtschaftlichen Folgen reichen weit über den Energiesektor hinaus. Versicherungen für sogenannte Kriegsrisiken stiegen von zuvor rund 0,15 % auf bis zu 5 bis 10 % des Schiffswerts. Dadurch explodieren die Transportkosten weltweit.

Vor allem afrikanische und europäische Importeure spüren die Belastung zunehmend über höhere Fracht- und Treibstoffpreise.

Europas Lieferketten geraten unter Druck

Auch große europäische Logistikkonzerne wie DHL, DSV und Kuehne+Nagel berichten bereits von massiven Auswirkungen auf ihre Lieferketten.

Viele Unternehmen weichen inzwischen verstärkt auf Luftfracht aus – obwohl diese deutlich teurer ist. Gleichzeitig verschärfen sich die Sorgen um Energieversorgung und Warenverfügbarkeit innerhalb Europas.

Auch Ägypten gerät wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Nach Analysen des Energy for Growth Hub verlor das ägyptische Pfund seit Beginn der Krise bereits rund sieben Prozent an Wert. Grund dafür sind unter anderem sinkende Einnahmen aus dem Suezkanal infolge rückläufiger Schiffsbewegungen.

Ägypten baut alternative Handelsbrücke auf

Vor diesem Hintergrund treibt Ägypten, Berichten Von Business Insider Africa zufolge, nun den Ausbau eines neuen See-Korridors voran. Dabei handelt es sich um eine kombinierte Logistikroute über Mittelmeer- und Rotmeerhäfen.

Im Zentrum steht die Verbindung zwischen dem italienischen Hafen Triest und dem ägyptischen Hafen Damietta am Mittelmeer. Von dort werden Waren anschließend über Land zum Hafen Safaga am Roten Meer transportiert und danach weiter in Richtung

Saudi-Arabien und die Golfstaaten verschifft. Insbesondere Saudi-Arabiens Hafen Duba soll dabei zu einem zentralen Umschlagplatz werden.

Neue Route soll Zeit und Kosten sparen

Nach Angaben von Logistikexperten werden bereits seit mehreren Wochen große Mengen gekühlter und trockener Waren über diese neue Strecke transportiert.

Die Route soll nicht nur die Risiken rund um die Straße von Hormus umgehen, sondern gleichzeitig Lieferzeiten und Transportkosten reduzieren.

Der ägyptische Schifffahrtsexperte Ahmed al-Shami sieht darin eine strategische Alternative zu den zunehmend instabilen Seewegen im Persischen Golf.