Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) und ÖBB-Chef Andreas Matthä arbeiten bereits an Plänen, die Macht in der Holding zu bündeln, Managementebenen abzubauen und Verwaltungskosten zu senken. Mehrere Tochtergesellschaften könnten umgebaut oder zusammengelegt werden. Ziel ist es, den mittlerweile fast 50.000 Mitarbeiter starken Staatskonzern effizienter zu machen. Kritiker warnen jedoch vor einer „kleinen Revolution“ innerhalb des traditionsreichen Unternehmens.
Schuldenberg wächst weiter
Der Druck auf die ÖBB ist laut dem Magazin Trend enorm. Allein die Rückzahlung bereits beschlossener Bahnprojekte wird den Steuerzahler in den kommenden Jahren rund 20 Milliarden Euro kosten. Werden weitere Projekte umgesetzt, könnten zusätzliche 40 bis 50 Milliarden Euro dazukommen. Gleichzeitig liegt der Schuldenstand des Konzerns bereits bei rund 38 Milliarden Euro. Auch der laufende Betrieb verschlingt Unsummen. Für den Personenverkehr fließen jedes Jahr Milliarden an staatlichen Zuschüssen. Bis 2034 summieren sich diese Zahlungen auf mehr als 15 Milliarden Euro. Was lange als Vorzeigeprojekt der Mobilitätswende galt, entwickelt sich zunehmend zu einem budgetären Kraftakt.
Güterverkehr tief in den roten Zahlen
Besonders problematisch ist die Lage bei der Gütertochter Rail Cargo. Innerhalb weniger Jahre rutschte das Ergebnis von einem Gewinn von 121 Millionen Euro auf einen Verlust von 135 Millionen Euro ab. Schwache Industriekonjunktur, Konkurrenz durch den Lkw-Verkehr und Probleme im europäischen Schienennetz setzen dem Unternehmen massiv zu. Die Situation gilt intern als so ernst, dass die vakante Führungsspitze der Rail Cargo vorerst gar nicht nachbesetzt werden soll. Gleichzeitig wird geprüft, wie Vermögenswerte innerhalb des Konzerns verschoben werden können, um finanziellen Spielraum zu schaffen.
Kritik vom Rechnungshof
Zusätzlichen Gegenwind gibt es vom Rechnungshof. Die Prüfer werfen der ÖBB vor, jahrelang mehr Zugverbindungen angeboten zu haben, als mit Personal und verfügbarem Wagenmaterial tatsächlich bewältigt werden konnten. Die Kombination aus Angebotsausbau, Klimaticket und knappen Ressourcen habe das System an seine Grenzen gebracht. Auch die Kostenentwicklung bereitet Sorgen: Der Personalaufwand stieg innerhalb weniger Jahre um rund eine Milliarde Euro. Gleichzeitig legten die Ausgaben für zugekaufte Leistungen massiv zu.
Reform oder Notbremse?
Für die Politik wird die Bahn damit zunehmend zur Gratwanderung zwischen Klimazielen und Budgetdisziplin. Während die ÖBB weiterhin als Rückgrat der Mobilitätswende gelten, wächst der Druck, die Kosten in den Griff zu bekommen. Hinter den Kulissen wird deshalb bereits intensiv über Einsparungen, neue Finanzierungsquellen und eine umfassende Neuaufstellung des Konzerns diskutiert.

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