Laut der aktuellen Bauprognose des Beratungsunternehmens EY wird das gesamte Bauvolumen in Österreich heuer auf rund 51,7 Milliarden Euro sinken. Zum Vergleich: 2021 lag der Wert noch bei 58,7 Milliarden Euro. Damit hat die Branche innerhalb von fünf Jahren real nahezu zwölf Prozent ihres Marktvolumens verloren.
Auch bis 2028 erwarten die Experten lediglich einen leichten Anstieg auf rund 52 Milliarden Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen Wachstum von gerade einmal 0,1 Prozent pro Jahr, berichtet der Kurier.
Wohnungsbau bleibt größtes Sorgenkind
Besonders angespannt ist die Lage im Wohnungsneubau. Obwohl die Nachfrage nach leistbarem Wohnraum ungebrochen hoch ist, verhindern steigende Baukosten, hohe Zinsen und unsichere Renditen zahlreiche Projekte.
Viele Bauvorhaben scheitern laut EY inzwischen nicht an fehlenden Käufern, sondern an ihrer Wirtschaftlichkeit. Kosten, Finanzierung und mögliche Verkaufserlöse würden häufig nicht mehr zusammenpassen.
Kaum neue Baubewilligungen
Ein weiteres Warnsignal liefert die Zahl der Baubewilligungen. Zwar stieg sie im vergangenen Jahr leicht von rund 10.500 auf 11.000, vom Niveau früherer Jahre ist Österreich jedoch weit entfernt.
Zum Vergleich: 2021 wurden noch rund 23.000 Wohnbauprojekte bewilligt. Damit fehlt bereits heute die Grundlage für eine rasche Erholung des Marktes in den kommenden Jahren.
Zusätzlich sorgen die angespannte Wirtschaftslage und die Budgetkonsolidierung der öffentlichen Hand für Zurückhaltung. Investoren, Bauträger, Banken und Immobilienentwickler verschieben Entscheidungen oder rechnen Projekte komplett neu.
Nach Einschätzung der Experten wird sich diese Zurückhaltung noch länger bemerkbar machen.
Sanierungen stützen die Branche
Während der Neubau schwächelt, entwickeln sich Renovierungen vergleichsweise stabil. Das Sanierungsvolumen erreichte zuletzt 15,4 Milliarden Euro und liegt damit nahezu wieder auf dem Niveau von 2021.
Dennoch können Modernisierungen den Rückgang beim Neubau nicht ausgleichen. Auch für heuer erwarten die Analysten bei Sanierungen wieder einen leichten Rückgang.
Investitionen in Straßen, Bahnstrecken, Energieversorgung oder Telekommunikation bleiben zwar wichtige Stützen der Bauwirtschaft, reichen aber ebenfalls nicht aus, um den Einbruch im Hochbau zu kompensieren.
Vor allem im Wohnbau bleibt die Lage angespannt. Erst ab 2027 rechnen Experten mit einer vorsichtigen Trendwende, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau als noch vor wenigen Jahren.
Hoffnung auf langsame Erholung
Die Bauwirtschaft befindet sich laut EY derzeit weniger am Beginn eines neuen Booms als vielmehr in einer längeren Phase der Stabilisierung. Zwar verbessern sich die Auftragsbestände langsam, ein kräftiger Aufschwung ist nach Einschätzung der Experten jedoch vorerst nicht in Sicht.
Für Wohnungssuchende bedeutet das vor allem eines: Das Angebot an leistbarem Wohnraum dürfte auch in den kommenden Jahren knapp bleiben.

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