Für zahlreiche Beschäftigte ist die Rechnung simpel: Wer nicht fährt, spart. Und genau das führt aktuell zu einem spürbaren Anstieg von Anträgen auf Arbeit von zuhause.

Die Motivation ist eindeutig: Zeit und Geld. Arbeitnehmerin Martina Vierlinger aus Hörsching beschreibt die Situation gegenüber dem ORF: „Ich bin zu 90 Prozent im Homeoffice, was für mich sehr gut ist. Es ist eine Zeit- aber auch eine Kostenersparnis. Ich kann dadurch auch mehr arbeiten, weil ich mir die Fahrtzeit erspare.“

Solche Erfahrungen spiegeln einen breiteren Trend wider. Für viele wird Homeoffice zur pragmatischen Lösung, um steigende Lebenshaltungskosten zumindest teilweise auszugleichen.

Jeder Zweite könnte von zuhause arbeiten

Einer aktuellen Umfrage von Integral Marktforschung unter 600 Pendlern zeigt: Rund die Hälfte der Beschäftigten hat grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Arbeit zumindest teilweise von zuhause aus zu erledigen.

Doch zwischen Möglichkeit und Umsetzung klafft eine Lücke. Während die Nachfrage steigt, bleibt die Entscheidung letztlich in vielen Fällen bei den Arbeitgebern.

Spürbare Entlastung durch weniger Pendeln

Dass sich Homeoffice finanziell lohnt, lässt sich auch beziffern. Berechnungen des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touringclub (ÖAMTC) zeigen: Bereits ein zusätzlicher Tag im Homeoffice pro Woche kann bei einem Arbeitsweg von 50 Kilometern hin und zurück rund 500 Euro pro Jahr einsparen.

Zwischen Vertrauen und Kontrolle

Unternehmen stehen vor einem Balanceakt. Einerseits wächst das Verständnis für die Belastung der Mitarbeiter durch hohe Mobilitätskosten, andererseits bleibt die Frage nach Produktivität und Kontrolle zentral.

Steuerberater Markus Raml aus Linz beschreibt die Praxis so: „Wir müssen Stunden aufzeichnen, was konkret heißt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice genauso effektiv sein müssen wie vor Ort.“ Gleichzeitig zeigt sich, dass erfahrene Mitarbeiter oft größere Freiheiten genießen als neue Teammitglieder.

Kein gesetzlicher Anspruch – Entscheidung bleibt beim Arbeitgeber

Trotz der wachsenden Bedeutung gibt es in Österreich, Deutschland und der Schweiz keinen generellen Rechtsanspruch auf Homeoffice. Anders als in den Niederlanden, wo seit 2015 ein entsprechendes Recht gesetzlich verankert ist, bleibt die Entscheidung im deutschsprachigen Raum weitgehend den Unternehmen überlassen.

Auch während der Coronapandemie wurde in Österreich keine verpflichtende Homeoffice-Regel eingeführt. Stattdessen beruhte die Umsetzung auf freiwilligen Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten