Frank Sell, Gesamtbetriebsratschef von Bosch Mobility, sieht akuten Handlungsbedarf. Nachdem er bereits im Frühjahr scharfe Kritik an der deutschen Industrie- und Energiepolitik geübt hatte, legt er nun konkrete Vorschläge auf den Tisch.

Seine Forderung: Ein Runder Tisch, an dem Vertreter der Automobilindustrie, Zulieferer, Gewerkschaften, Arbeitnehmer und die Bundesregierung gemeinsam Lösungen erarbeiten. Das Gremium solle erst dann auseinandergehen, wenn konkrete Maßnahmen beschlossen sind.

„Wir können nicht so weitermachen wie bisher“, machte Sell  in Apollo News deutlich.

Auto-Krise trifft Zulieferer mit voller Wucht

Die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich in der gesamten Branche. Sinkende Gewinne, rückläufige Umsätze und massive Sparprogramme prägen inzwischen nahezu alle großen Autobauer.

Für Zulieferer wie Bosch sind die Folgen besonders gravierend. Sobald Hersteller wie Volkswagen oder Mercedes-Benz ihre Produktion zurückfahren, brechen auch die Aufträge für die Zulieferbetriebe ein. Die Auswirkungen treffen sie oft mit zeitlicher Verzögerung – dafür umso heftiger.

Hohe Kosten bremsen den Standort Deutschland

Nach Ansicht des Bosch-Betriebsrats braucht es jetzt vor allem politische Entlastungen. Als größte Belastungen gelten:

  • hohe Energiekosten,
  • umfangreiche Bürokratie,
  • hohe Steuer- und Abgabenlast,
  • technologiepolitische Vorgaben und Verbote.

Nur wenn diese Standortnachteile reduziert werden, könnten deutsche Hersteller wieder wettbewerbsfähig produzieren – sowohl bei Elektroautos als auch bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

Ob die Bundesregierung auf den Vorstoß eingeht, ist offen. Eine offizielle Reaktion aus dem Bundeskanzleramt liegt bislang nicht vor.

Dabei wächst der Druck auf die Politik spürbar. Die Stimmung in der Branche verschlechtert sich seit Monaten.

Proteste nehmen Fahrt auf

Erst vergangene Woche demonstrierten bundesweit Zehntausende Beschäftigte von Mercedes-Benz gegen den Sparkurs des Unternehmens.

Auslöser war unter anderem die Verschiebung des sogenannten Transformationsbausteins – einer jährlichen Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsgehalts. Die Auszahlung soll nun erst neun Monate später erfolgen.

Auch die IG Metall verschärft ihren Kurs. Für Donnerstag wurden ein großer Autokorso in Stuttgart sowie weitere Protestaktionen angekündigt. Die Gewerkschaft spricht bereits von einem möglichen „heißen Sommer“ für die deutsche Autoindustrie.

Dass ausgerechnet Bosch den Ruf nach einer Branchen-Taskforce laut werden lässt, kommt nicht überraschend. Der weltweit größte Autozulieferer spürt die Krise inzwischen deutlich in den eigenen Geschäftszahlen.

Die Mobility-Sparte, die rund 60 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet, leidet unter der schwachen Nachfrage. Im Jahr 2025 halbierte sich der operative Gewinn auf rund 1,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich musste Bosch sogar einen Nettoverlust von rund 400 Millionen Euro verbuchen.

Die Sparmaßnahmen bleiben nicht ohne Folgen. In den kommenden Jahren sollen allein in Deutschland rund 22.000 Arbeitsplätze wegfallen. Bereits im vergangenen Jahr wurden weltweit mehr als 5.000 Stellen gestrichen.

Ende 2025 beschäftigte Bosch noch knapp 413.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit – Tendenz sinkend.

Mit seinem Appell will Betriebsratschef Frank Sell verhindern, dass sich die Krise weiter verschärft. Sein Ziel: Wirtschaft, Politik und Arbeitnehmer an einen Tisch zu bringen, bevor aus der Branchenkrise eine Beschäftigungskrise wird.